faustundhaus

Mehr Wohnwert durch professionelle Pflege.

Eine Kolumne von Gereon Thielen

Meldung

Wärmepumpen-Integration: Lehren aus dem industriellen Großprojekt bei Gira

gebaute Kältemaschine, 55 Prozent weniger Gas, Amortisation in weniger als zweieinhalb Jahren – das ist keine Werbebroschüre, sondern die Bilanz, die der Gebäudetechnikspezialist Gira aus seinem Radevormwalder Standort zieht.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 01. September 2026

Wärmepumpen-Integration: Lehren aus dem industriellen Großprojekt bei Gira

Das 30.000 Quadratmeter große Produktions- und Logistikzentrum wird seit Ende Mai großteils über die Abwärme einer zur Wärmepumpe umfunktionierten Kältemaschine und mit Solarstrom aus dem eigenen Solarpark beheizt. Was Hausbesitzer und Verwalter aus diesem Praxisbeispiel wirklich mitnehmen können.

Was Gira konkret gebaut hat

Alexander Kolm, gelernter Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und im Facility Management für die Wärmeerzeugung zuständig, hat den Umbau selbst geleitet. Die Idee: Die Abwärme, die bei der Kälteerzeugung ohnehin anfiel und über Rückkühlwerke an die Umwelt abgegeben wurde, speist jetzt den Pufferspeicher der Heizung. Als Langzeitspeicher dienen die beiden Sprinklertanks mit je einer Million Liter Fassungsvermögen. „Wir verwenden hier die Abwärme, die bei der Kälteerzeugung entsteht, um unser Gebäude zu heizen", fasst Kolm zusammen.

Die Betriebslogik ist der eigentlich spannende Teil. Solange die Außentemperaturen nicht unter zwei Grad Celsius sinken, läuft das Gebäude emissionsfrei allein über die Wärmepumpe. Erst darunter springt das Blockheizkraftwerk an und verbraucht Gas. Dass die Anlage funktioniert, bekam Gira unfreiwillig bestätigt: Die Stadtwerke Radevormwald riefen an, weil die Gaszähler keinen Verbrauch mehr registrierten. Defekt war nichts – das Signal war gewollt.

Was das für den Bestand bedeutet

Fakt ist: Das Gira-Beispiel funktioniert nur, weil mehrere Bedingungen zusammenkommen, die ein klassisches Wohnhaus so nicht vorweisen kann – eigene Photovoltaikanlage, industrielle Kälteerzeugung als interne Wärmequelle, professionelles Facility Management. Trotzdem lassen sich drei Prüfpunkte ableiten, die für jeden Bestand gelten.

Erstens die Wärmequelle. Welche Abwärme fällt im Haus schon an? Kühlgeräte, Lüftungsanlage, Serverraum, Werkstatt – vieles davon landet ungenutzt im Rückkühlwerk und damit draußen. Zweitens der Pufferspeicher. Je größer der Speicher, desto länger die Phasen, in denen die Pumpe allein läuft. Drittens die Übergangstemperatur. Bei Gira springt das BHKW erst unter zwei Grad Celsius an. Diese Schwelle müssen Sie kennen, bevor Sie den Wärmepumpenanteil am Jahresverbrauch seriös schätzen.

Laut Gira amortisiert sich der Umbau in weniger als zweieinhalb Jahren. Möglich wird das durch den um 55 Prozent gesunkenen Gasverbrauch, den gestiegenen Eigenverbrauch des Solarstroms und die geringere Abhängigkeit von CO2-Bepreisung und Netzentgelten. Ohne vorhandene Wärmequelle und ohne eigenen Stromerzeuger wird jede Pumpe schnell zum Kostengrab. Prüfen Sie zuerst, ob die Vorlauftemperatur Ihrer Heizflächen zur Pumpe passt und ob die Wärmequelle das ganze Jahr ausreichend liefert. Bei Gira lag die Bestandshürde erstaunlich niedrig – das ist nicht selbstverständlich und sollte nicht auf jedes Wohnhaus übertragen werden.

Was sich parallel verschiebt

Die Pumpe steht selten allein. Wie heise online berichtet, stehen Wärmepumpen in Bestand und Neubau gerade unter dem Strich dessen, was sich in der Praxis tatsächlich bewährt hat. Die WELT ordnet die Technik zusammen mit E-Auto und Photovoltaik inzwischen unter den Smart Meter ein – das ist kein Zufall, denn ohne sauberes Lastmanagement bleibt jeder Eigenstrom ein Restposten. Und in Burgdorf, so meldet der AltkreisBlitz, war die Wärmepumpe kürzlich Thema eines Infoabends, gemeinsam mit Gebäudedämmung. Die Richtung ist klar: Die Pumpe ist Teil eines Systems, nicht das System selbst. Was sich wirklich bewährt, entscheidet sich nicht im Prospekt, sondern an der konkreten Bestandsaufnahme vor Ort.