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Eine Kolumne von Gereon Thielen

Meldung

Wärmepumpe nachrüsten: Warum die Gebäudetechnik vor der Förderung kommt

örse Express unter Berufung auf die Branchenverbände BWP und BDH meldet, wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 195.000 Wärmepumpen in Deutschland verkauft – 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 12. August 2026

Wärmepumpe nachrüsten: Warum die Gebäudetechnik vor der Förderung kommt

Wer jetzt seinen Heizungskeller umrüsten will, sollte nicht zuerst auf den Förderbescheid schielen, sondern auf das Gebäude. Fakt ist: Die attraktivste staatliche Förderung nützt wenig, wenn die technischen Voraussetzungen nicht stimmen.

Was die Förderung wirklich abdeckt – und was nicht

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) schießt weiterhin bis zu 70 Prozent der Kosten zu, maximal 21.000 Euro. Dazu kommen KfW-Kredite bis 120.000 Euro oder wahlweise ein Steuerbonus von 20 Prozent, gedeckelt bei 8.000 Euro. Für Effizienzhäuser 55 hat die KfW die Förderung bis Ende 2026 verlängert – 100.000 Euro pro Wohneinheit zu rund einem Prozent Zinsen.

Klingt nach solidem Polster. Ist es auch – solange das Gebäude dafür bereit ist. Prüfen Sie zuerst, ob die Vorlauftemperatur unter 55 Grad bleibt, ob die Hydraulik sauber abgeglichen ist und ob der Stromanschluss die zusätzliche Last trägt. Eine Wärmepumpe in ein ungedämmtes Haus zu setzen ist kein Klimaschutz, das ist ein Kostengrab.

Pflichten, die schneller kommen als der Handwerker

Beim Eigentümerwechsel nach dem 1. Februar 2002 drückt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) aufs Tempo: 24 Monate Sanierungsfrist, dazu Pflichten wie Dämmung der obersten Geschossdecke, Tausch von Standard- und Konstanttemperaturkesseln, die älter als 30 Jahre sind, sowie Rohrleitungsdämmung. Wer hier schlampt, riskiert Bußgelder bis 50.000 Euro.

Parallel laufen seit August 2026 neue Programme: „Jung kauft Alt" mit Krediten zwischen 140.000 und 180.000 Euro je nach Kinderzahl (effektiver Jahreszins 0,53 Prozent, Zinsbindung zehn Jahre, Laufzeit 35 Jahre) sowie „Gewerbe zu Wohnen" mit bis zu 30.000 Euro Zuschuss pro Wohneinheit aus einem 300-Millionen-Topf. IMTEST weist in diesem Zusammenhang auf ein Grundbuch-Detail hin, das nach Berichten Tausende Euro kosten kann – wer eine Förderung beantragt, sollte vorher prüfen lassen, was dort eingetragen ist.

Was ich auf der Baustelle sehe – und was die Verbände einfordern

Das Fraunhofer ISE arbeitet im Projekt „LC R290" daran, Wärmepumpen mit Propan (R290) für Mehrfamilienhäuser fit zu machen. Erste Ergebnisse: 20 Prozent weniger Kältemittelfüllung, 15 Prozent mehr Effizienz, Heizlasten zwischen 23 und 93 Kilowatt im Prüfstand. Das ist Handwerker-Zukunft, keine Pressemitteilung.

Gleichzeitig fordern BWP und BDH von der Politik eine verlässliche Fortführung der Förderung bis Ende des Jahrzehnts und eine praxistaugliche Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie. Solange das nicht festgezurrt ist, bleibt für jeden Eigentümer nur eines: Rechnen Sie die Sanierung gegen die Förderung – nicht umgekehrt. Wer den Heizungstausch allein am Zuschuss ausrichtet, kauft später doppelt.