faustundhaus

Mehr Wohnwert durch professionelle Pflege.

Eine Kolumne von Gereon Thielen

Meldung

Veraltete Heizungen: Millionen Anlagen in Deutschland drängen zur Modernisierung

Nach Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) laufen in Deutschland rund vier Millionen Heizungen, die älter als 30 Jahre sind. Über 40 Prozent der insgesamt 21,5 Millionen Anlagen entsprechen nicht dem Stand der Technik.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 11. August 2026

Veraltete Heizungen: Millionen Anlagen in Deutschland drängen zur Modernisierung

Fakt ist: Der Modernisierungsstau ist real – und er trifft am Ende jeden zweiten Hauseigentümer, ob er will oder nicht.

Die Halbjahresbilanz – was wirklich gezählt wird

Von Januar bis Juni 2026 wurden 352.000 Wärmeerzeuger verkauft, 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Wärmepumpen treiben das Wachstum: 194.500 Stück, ein Plus von 40 Prozent. Gasbasierte Geräte stagnieren bei 134.000 (plus ein Prozent), Ölheizungen brechen auf 9.500 Stück ein (minus elf Prozent). Klingt nach Aufbruch.

Die Kehrseite: 2025 war mit 627.000 verkauften Anlagen der niedrigste Stand seit 15 Jahren. Und für die Klimaziele im Gebäudesektor bräuchte es laut BDH rund eine Million modernisierte Heizungen pro Jahr. Wir liegen also nicht einmal bei der Hälfte dessen, was nötig wäre.

Was die Verbände BDH und BWP konkret fordern

Markus Staudt, Hauptgeschäftsführer des BDH, macht in der Pressemitteilung klar: Ohne verlässliche Rahmenbedingungen plant weder Verbraucher noch Betrieb langfristig. Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und die angepasste Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) seien Leitplanken – aber nur, wenn sie politisch Bestand haben.

Parallel dazu prescht die Bundesregierung mit einer BEG-Reform vor. Ein erster Absenkungsschritt ist kurzfristig geplant: 2.000 Euro weniger bei den förderfähigen Kosten, vier Prozentpunkte weniger beim Klimageschwindigkeitsbonus. Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), bringt die Bedenken auf den Punkt: „Die Kürzungen gehen an die Grenze dessen, was der Wärmepumpenmarkt verkraften kann." Seine Bedingung: Nur wenn der Strompreis tatsächlich um die angekündigten 5 ct/kWh sinkt, lässt sich der schrittweise Förderabbau politisch durchhalten. Passiert das nicht, kippt das Modell.

Auch der Effizienzbonus für Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln und für Erdwärme soll laut Reform fallen. Der BWP fordert zu Recht, die Geothermie-Förderung zumindest zu erhalten – Erdwärme liefert nicht nur Heizleistung, sondern auch Netzdienlichkeit.

Was Sie als Eigentümer jetzt prüfen sollten

Bevor Sie in Hektik verfallen: Prüfen Sie zuerst den Baujahr-Stempel Ihrer Anlage. Steht dort ein Datum aus den 1990er-Jahren oder älter, gehört Ihr Gerät zur Risikogruppe der über 30 Jahre alten Heizungen. Vier Millionen solcher Anlagen laufen energetisch und oft auch sicherheitstechnisch auf Verschleiß.

Lassen Sie sich nicht von der „Eine Technologie für alle"-Erzählung treiben. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betont die technologieoffene Ausrichtung – genau die sollten Sie nutzen. Wärmepumpe, Hybrid, Brennstoffzelle oder modernes Gas-Brennwertgerät: Was passt, hängt von Dämmstandard, Vorlauftemperatur und Ihrem tatsächlichen Verbrauchsprofil ab. Nicht vom Zeitgeist der Fördertöpfe.

Und: Die Förderlandschaft ist gerade in Bewegung. Wer in den nächsten zwölf Monaten tauschen will, sollte heute mit einem unabhängigen Energieberater sprechen und sich schriftlich geben lassen, welche BEG-Konditionen im konkreten Fall aktuell gelten. BEG-Bedingungen können sich ändern – Ihr Gebäude nicht.

Die Branche schlägt Alarm. Berechtigt. Aber Panik ist fehl am Platz. Mein pragmatischer Rat aus über zwanzig Jahren Heizungssanierung: Bestandsaufnahme zuerst, dann belastbare Entscheidung, dann Umsetzung. Wer jetzt blind auf den nächsten Förderimpuls spekuliert, steigt am Ende in ein Kostengrab – und das wäre wirklich vermeidbar gewesen.