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Eine Kolumne von Gereon Thielen

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Nachrüstung statt Neubau: So machen Sie Bestandsimmobilien energetisch zukunftsfähig

ABB hat im Rahmen der World Green Building Week Leitlinien vorgestellt, die zeigen sollen, wie sich Bestandsgebäude zukunftsfähig aufstellen lassen.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 15. September 2026

Nachrüstung statt Neubau: So machen Sie Bestandsimmobilien energetisch zukunftsfähig

Im Zentrum stehen offene Gebäudesteuerungssysteme und modulare elektrische Netze, die Wärmepumpen und erneuerbare Energien zusammenführen. Für Sie als Eigentümer bedeutet das: Die Spielregeln für eine sinnvolle Sanierung werden gerade neu geschrieben – und zwar von der Industrie, nicht erst vom Gesetzgeber. Fakt ist: Wer jetzt vorausschauend plant, hat die besseren Karten.

Was ABB konkret vorschlägt

Die Richtlinien zielen nach Angaben von ABB darauf ab, bestehende Infrastrukturen nicht neu zu erfinden, sondern modular nachzurüsten. Offene Gebäudesteuerungen stehen für herstellerunabhängige Komponenten, die sich später ergänzen oder austauschen lassen, ohne dass die gesamte Anlage neu konzipiert werden muss. Modulare elektrische Netze wiederum schaffen die Voraussetzung dafür, dass Wärmepumpe, PV-Anlage oder Speicher dort eingebunden werden, wo bisher nur ein einfacher Anschluss existierte. Für mich als Praktiker klingt das nach dem, was auf deutschen Baustellen seit Jahren fehlt: ein Plan, bevor das Loch in der Wand ist.

Was die Hausbesitzer wirklich tun

Dass die Theorie trägt, zeigt eine aktuelle Analyse des Portals Wattfox. 50.000 Datensätze aus dem Jahr 2025 wurden dafür ausgewertet – das Ergebnis deckt sich mit dem, was ich bei Objektbegehungen seit Jahren sehe. Fast 30 Prozent der getauschten Heizungen, genau 29,58 Prozent, waren zwischen elf und zwanzig Jahre alt. Sie liefen also noch, galten bei ihren Besitzern aber bereits als Kostengrab im Wartungsintervall. Die Eigentümer warten demnach nicht, bis der Kessel im Heizungskeller den Geist aufgibt, sondern handeln strategisch: geplante Modernisierung statt Heizungsnotfall im Januar. Genau an diesem Punkt setzt ABB an.

Worauf Sie jetzt achten sollten

Bevor Sie eine Wärmepumpe einbauen lassen, prüfen Sie zuerst den Zustand Ihrer elektrischen Unterverteilung. Eine Wärmepumpe zieht im Winter konstant Leistung – und genau dort entstehen die meisten Probleme, die danach als Wärmepumpen-Mythos durchs Dorf getrieben werden. Achten Sie darauf, dass die Steuerung Ihrer Anlage offen bleibt und nicht an einen einzelnen Hersteller bindet. Wer hier am falschen Ende spart, zahlt später doppelt – beim Tausch defekter Komponenten und bei jeder späteren Erweiterung um PV oder Speicher. Parallel weist das Momentum Institut darauf hin, dass mehr als die Hälfte der öffentlichen Gebäude energetisch schlecht dasteht. Der Sanierungsdruck wird also nicht kleiner, sondern größer. Prüfen Sie zuerst, planen Sie dann, und bauen Sie erst danach um – alles andere endet im Kostengrab.