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Eine Kolumne von Gereon Thielen

Meldung

Digitale Resilienz in der Immobilienwirtschaft: Warum Hoffnungstechnik nicht ausreicht

Die elfte Digitalisierungsstudie von ZIA und EY Parthenon liefert erstmal eine gute Nachricht: 70 Prozent der Immobilienunternehmen beobachten durch Digitalisierung spürbare Kosteneinsparungen. Klingt nach Fortschritt – ist aber nur die halbe Wahrheit.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 14. September 2026

Digitale Resilienz in der Immobilienwirtschaft: Warum Hoffnungstechnik nicht ausreicht

Die gleiche Untersuchung deckt auf, was in der Euphorie untergeht: Digitale Resilienz wird zwar angestrebt, aber selten gemessen, kaum getestet und zu wenig aktiv gesteuert. Für Hausmeister und Eigentümer, die im Alltag für die Technik gerade stehen, ist das kein abstraktes Managementthema – sondern ein handfestes Haftungsrisiko.

Wo die Lücke wirklich klafft

Fakt ist: Cloud-Lösungen, Backups und Cybersecurity-Strategien sind in der Branche mehrheitlich etabliert. Über die Hälfte der Unternehmen hat strategische Resilienzmaßnahmen bereits umgesetzt oder plant sie konkret. Die technologischen Grundlagen stehen also – zumindest auf dem Papier.

Die Studie benennt die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit als zentrales Ergebnis ihrer diesjährigen Ausgabe. Was das in der Praxis heißt, sieht man auf jeder zweiten Anlage: Ein Wassermelder in der Tiefgarage sendet seit Wochen keinen Teststatus mehr, aber die Anlage gilt als „etabliert". Eine Zutrittskontrolle läuft auf veralteter Software, doch die Cybersecurity-Strategie fristet ihr Dasein im Ordner. Digitale Wartungspläne werden geführt, aber die Intervalle für Aufzug, Heizung oder Dachbegrünung stimmen längst nicht mehr mit der Realität überein. Wer seine Sensorik, Gebäudeleittechnik oder IoT-Überwachung nicht regelmäßig auf Funktion prüft, betreibt im Grunde Hoffnungstechnik – und die fällt im Ernstfall genauso aus wie eine Heizung ohne Wartung.

Was Sie jetzt konkret prüfen sollten

Die Ergebnisse der Studie zeigen klar, wo die nächsten Schritte liegen. Drei Fragen, die jeder Verantwortliche auf seiner Anlage beantworten können muss: Wann wurde das letzte Backup der Gebäudedaten tatsächlich zurückgespielt – nicht nur erstellt? Funktionieren Sensoren für Feuchte, Temperatur oder Rauch noch zuverlässig, oder liefern sie nur Werte, die niemand mehr hinterfragt? Und wer haftet eigentlich, wenn eine automatisierte Steuerung ausfällt und ein Schaden entsteht?

Mein pragmatischer Rat zum Schluss: Behandeln Sie Ihre digitale Infrastruktur wie eine Heizungsanlage. Regelmäßig warten, lückenlos dokumentieren, im Störungsfall nachweisen können, dass alles funktioniert hat. Wer hier am Wartungsintervall spart, gräbt sich ein Kostengrab, das spätestens beim nächsten Wasserschaden oder Sicherheitsvorfall teuer aufstößt. Digitale Resilienz ist keine Software-Eigenschaft – sie ist Handwerk. Und Handwerk lebt davon, dass man es macht, nicht davon, dass man es plant.