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Eine Kolumne von Gereon Thielen

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Gebäudedienste 2026: Wie Immobilienverwalter auf steigende Kosten reagieren

Branchenbefragung von rationell reinigen weist für das Gebäudereiniger-Handwerk ein Umsatzplus von 5,8 Prozent aus – bei einer Konjunktur, die in die andere Richtung läuft.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 08. September 2026

Gebäudedienste 2026: Wie Immobilienverwalter auf steigende Kosten reagieren

Wer in diesem Jahr eine Reinigungsfirma beauftragt, zahlt mehr. Nicht dramatisch, aber spürbar. Die 32. Branchenbefragung von rationell reinigen weist für das Gebäudereiniger-Handwerk ein Umsatzplus von 5,8 Prozent aus – bei einer Konjunktur, die in die andere Richtung läuft. Parallel dazu zieht die IG BAU in die Tarifrunde und will den Branchenmindestlohn auf 17 Euro drücken. Für Eigentümer und Hausverwaltungen ist das kein Randthema, sondern schlicht eine Rechenaufgabe.

Was die 5,8 Prozent wirklich bedeuten

Fakt ist: Das Wachstum hat sich abgekühlt. 2022 lag das Plus noch bei 9 Prozent, 2023 sogar bei 10,7. Wer jetzt mit 5,8 Prozent argumentiert, sollte nicht den Eindruck erwecken, die Branche brenne. Sie brennt nicht – sie schwächelt nur leicht. Die Mitarbeiterzahl stieg im selben Zeitraum lediglich um 1,1 Prozent auf knapp 352.000 Beschäftigte. Die Zange ist damit klar: mehr Auftrag, fast gleich viel Personal. Genau dort leidet die Qualität, wenn der Dienstleister nicht gegensteuert. Positiv immerhin: Die Zahl der Auszubildenden im Gebäudereiniger-Handwerk stieg auf 472, fünfzig mehr als im Vorjahr. Bei den sonstigen gewerblichen Azubis waren es 1.247 (Vorjahr 1.023). Die kaufmännische Ausbildung dagegen ist mit 574 Azubis weiter rückläufig. Der Nachwuchs kommt also langsam, aber er kommt.

Tarifrunde: 17 Euro sind eine Ansage

Die IG BAU fordert zwei Euro mehr pro Stunde. Der Branchenmindestlohn soll auf 17 Euro steigen, in der Glas- und Fassadenreinigung auf 20,40 Euro. Die Verhandlungen starten noch im September. Was Sie als Eigentümer davon mitbekommen, hängt vom Vertrag ab: Stundenlohnmodelle werden direkt teurer, Pauschalen werden nachverhandelt – oft stillschweigend, manchmal offen. Mein Tipp aus der Praxis: Prüfen Sie jetzt Ihre Reinigungsverträge auf Preisgleitklauseln. Wer dort keine hat, dem droht beim nächsten Angebot ein Sprung von zehn bis fünfzehn Prozent, weil der Dienstleister seine Lohnkosten 1:1 weiterreichen muss. Der Vorsitzende der IG BAU Nordhessen, Klaus Michalak, bringt es im Kern auf eine einfache Formel: Die Preise ziehen an, die Reinigungskräfte tragen die Hauptlast. Fakt ist: Eine Stunde gute Reinigung kostet bald mehr als manche Handwerkerstunde – und das schlägt sich in den Angeboten nieder.

Humanoide Roboter und was Sie jetzt tun sollten

Über die Hälfte der befragten Dienstleister bewertet den Einsatz humanoider Roboter in der Gebäudebetreuung positiv. Das klingt nach Zukunft, ist aber vorerst vor allem Marketing. Ein humanoider Roboter, der Treppen steigt, einen Mopp schwingt und nebenbei die Fenster putzt, ist Stand heute eine Messe-Demo, kein Kollege. Spannend wird es bei den einfachen, repetitiven Aufgaben: Bodenwischen in großen Eingangsbereichen, Glasflächen mit definierter Höhe, standardisierten Treppenhäusern. Dort kann Automatisierung sinnvoll ergänzen – als Entlastung, nicht als Ersatz. Wer als Eigentümer jetzt mit „KI-gestützter Reinigung" beworben wird, darf ruhig nachfragen, was genau das heißt: welches Gerät, welche Fläche, welcher Zeitgewinn. Alles andere ist Etikett.

Drei Punkte zum Mitnehmen: Preise werden steigen – einkalkulieren. Die Personaldecke wird dünner, also lieber früh verlängern als in Verhandlungsstress geraten. Und bei Tarifabschluss die eigenen Preisgleitklauseln prüfen, damit aus der nächsten Runde kein Kostengrab wird. Wer seinen Dienstleister kennt, kommt besser durch als der, der jedes Jahr neu ausschreibt.