Fossilfreie Sanierung von Mehrfamilienhäusern mit Wärmepumpen
3,3 – die Jahresarbeitszahl, die laut einem Bericht von zh.ch die Wohnsiedlung Dettenbühl in Wettswil am Albis nach dem Abschied vom Ölkessel wirklich erreicht hat.
Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 01. August 2026

Die Baugenossenschaft Rotach beheizt dort sieben Bestandsgebäude mit rund 120 Wohnungen fossilfrei – und darf die alten Radiatoren behalten. Über zwei Heizperioden wurde gemessen, dokumentiert und bilanziert.
Technik, die nicht jeder auf dem Schirm hat
Fakt ist: Wer einen Ölkessel ersetzt, denkt meistens zuerst an Luft-Wasser- oder reine Erdsondenpumpen. Hier läuft beides parallel. Jedes der sieben Mehrfamilienhäuser hat eine eigene Abluftwärmepumpe, die der Raumluft die Restwärme entzieht – Warmwasser und rund 40 Prozent des Heizwärmebedarfs. Den Rest und die Spitzenlast deckt eine zentrale Erdsonden-Wärmepumpe mit 320 kW, die den alten 750-kW-Ölkessel ersetzt. Die bestehende Wärmeverteilung über Radiatoren blieb weitgehend erhalten. Saniert wurde in Etappen zwischen 2013 und 2015. Was hier auffällt: Die Gebäudehülle wurde nicht entkernt, kein Eigentümer musste Mieter monatelang ausquartieren, und die Wärmepumpen liefern trotzdem.
Was hinten rausfällt
Der gewichtete Energieverbrauch sank um mehr als 50 Prozent, der jährliche Heizölverbrauch von rund 150.000 Litern ist komplett weggefallen. Über die Hälfte des gesamten Wärmebedarfs deckt die Abluft, zusammen mit der Erdsonden-Wärmepumpe ergibt das die besagten 3,3. Kein Rekordwert, aber für Bestand mit alten Heizkörpern ein durchaus solider Schnitt. Kostengrab-Alarm klingt anders. Was das in der Betriebskostenrechnung wirklich bedeutet, hängt am Strompreis und am Nutzerverhalten – aber das ist Handwerk, das man nachjustieren kann.
Der Haken, und was bleibt
Prüfen Sie zuerst die Lüftung. Die Auswertung zeigt unmissverständlich: Wo Abluftwärmepumpen ohne kontrollierte Frischluftzufuhr arbeiten, sinkt der Komfort. Luftqualität und Lüftungsgefühl werden messbar schlechter, wenn kein sauberes Lüftungskonzept mitspielt. Das ist kein Argument gegen die Technik, aber eines für saubere Planung. Wer ein ähnliches Projekt anpackt, sollte die Frage „Wo kommt die Zuluft her?" vor dem ersten Spatenstich beantwortet haben – nicht erst nach der Abnahme. Für Eigentümer und Verwalter heißt das: Wärmepumpe geht auch ohne Komplettsanierung der Hülle – das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Kompromisse bei Lüftung und Luftqualität sind programmiert, wenn die Gebäudehülle nicht mitzieht. Wer das ernst nimmt, kann mit dem Konzept eine echte Alternative zum fossilen Heizen bauen. Vorausgesetzt, die Lüftung ist von Anfang an mitgedacht. Sonst tauscht man am Ende den Öltank gegen ein neues Beschwerdebuch.