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Eine Kolumne von Gereon Thielen

Meldung

Energetische Sanierung: Wärmepumpen und Photovoltaik im Quartiersmaßstab

Rund 4,3 Millionen Euro, 32 Wohnungen, fünf Mehrfamilienhäuser und etwa anderthalb Jahre Bauzeit – das Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen VIVAWEST hat im Quartier Habbelrath ein komplettes Ensemble…

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 25. August 2026

Energetische Sanierung: Wärmepumpen und Photovoltaik im Quartiersmaßstab

Rund 4,3 Millionen Euro, 32 Wohnungen, fünf Mehrfamilienhäuser und etwa anderthalb Jahre Bauzeit – das Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen VIVAWEST hat im Quartier Habbelrath ein komplettes Ensemble auf Effizienzklasse A+ gehoben, wie der Vermieter-Ratgeber IVV dokumentiert. Was hier im Großer funktioniert, lässt sich im Kleinen nicht 1:1 kopieren, aber die Reihenfolge stimmt.

Was auf dem Objekt tatsächlich passiert ist

Alte Heizungsanlagen raus, Luft-Wasser-Wärmepumpen rein, PV-Anlagen aufs Dach, Strom perspektivisch auch für die Mieter nutzbar. Dazu vollständige Wärmedämmung an Dach, Fassade und Kellerdecke, neue Heizkörper samt Leitungen und eine Elektroinstallation auf aktuellem Stand. Balkone, Türen, Vordächer, Zufahrten und Müllstellplätze wanderten mit in den Auftrag. Das Ergebnis: ein Sprung von Energieeffizienzklasse G auf A+ – der größtmögliche in einem Zug.

Michael Marx, Bereichsleiter Bestandstechnik bei VIVAWEST, wird im IVV-Bericht mit der Aussage zitiert, dass die Kombination aus modernem Energieträger und passender Wärmedämmung den eigentlichen Unterschied macht. Erst beides zusammen trägt den Effizienzsprung.

Warum das Thema jetzt auf dem Tisch liegt

Die Haufe-Redaktion greift die Bestandssanierung in einem aktuellen Beitrag auf und stellt fest: Die Grundsatzfrage ist längst entschieden, es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie, Wann und in welcher Kombination. Photovoltaik-Komponenten werden günstiger, neue Wärmepumpengenerationen kommen auf den Markt, die Förderlandschaft wird nachjustiert, und die Praxiserfahrung wächst. Gleichzeitig bleiben fossile Energieträger politisch wie marktbedingt teuer.

Der Wärmepumpenmarkt wächst strukturell weiter, auch wenn er nach dem Rekordjahr mit über 350.000 verkauften Anlagen in Deutschland 2024 eine deutliche Abkühlung erlebte – ausgelöst durch Förderunsicherheiten und hohe Investitionskosten. Neben klassischen Luft-Wasser-Systemen etablieren sich zunehmend Hochtemperatur-Wärmepumpen, die auch in älteren, weniger gut gedämmten Gebäuden noch brauchbare Vorlauftemperaturen erreichen.

Was Eigentümer daraus mitnehmen sollten

Fakt ist: Ohne vernünftige Hüllen-Dämmung arbeitet selbst die beste Wärmepumpe im Halbgas und frisst sich als Stromfresser durchs Budget. Prüfen Sie zuerst Dach, Fassade und Kellerdecke, dann die Heizflächendimensionierung, dann erst den Energieträger. Reihenfolge beachten, sonst wird die Wärmepumpe zum teuren Heizstab-Ersatz. Photovoltaik obendrauf rechnet sich nur, wenn der Eigenverbrauch passt – und der hängt davon ab, was im Haus tatsächlich anläuft, nicht was auf dem Papier schön aussieht.

Die VIVAWEST-Zahlen zeigen, was möglich ist, wenn konsequent geplant wird: G auf A+ in einem Rutsch, ohne dass die Mieter während der Bauzeit reihenweise abwandern. Das ist kein Hexenwerk, sondern klassische Projektleitung – und genau die fehlt im Kleinen oft, weil jeder Gewerk einzeln betrachtet wird, statt im System zu denken. Wer jetzt im Bestand vor einer Modernisierung steht, sollte nicht die Wärmepumpe als Erstes bestellen, sondern den Bestand ehrlich erfassen.