Wärmepumpen-Boom 2026: Warum der Neubau den Bestand bei der Heizwende abhängt
40 Prozent mehr Wärmepumpen in den ersten acht Monaten 2026, 194.500 verkaufte Geräte — nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Gebäudereport-Update September 2026.
Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 22. September 2026

Für Hausverwalter und Eigentümer ist das keine Wärmepumpen-Werbung, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme: Die Technik ist im Neubau Standard geworden, im Bestand bleibt sie vorerst die Ausnahme.
Neubau und Bestand: zwei Welten
Fakt ist: 74 Prozent der 2025 fertiggestellten Wohngebäude wurden mit Wärmepumpe beheizt, bei den Baugenehmigungen liegt der Anteil inzwischen bei 83 Prozent. Über 89 Prozent aller 2025 errichteten Neubauten nutzen erneuerbare Wärme, Strom oder Fernwärme. Gasheizungen kommen im Neubau nur noch auf rund 11 Prozent — ein historischer Tiefstand.
Im Bestand sieht es erwartungsgemäß anders aus. Gasheizungen dominieren weiterhin mit etwa 56 Prozent, Ölheizungen mit rund 17 Prozent. Wärmepumpen und andere solar- oder geothermische Systeme erreichen zusammen erst knapp 4,5 Prozent. Der Bestand an installierten Wärmepumpen wuchs 2025 zwar um 5 Prozent, aber von einem niedrigen Niveau aus. Wer hier eine Sanierung plant, sollte sich keine rosigen Bestandszahlen einreden lassen.
Was am Objekt wirklich zählt
Die spannende Frage ist nicht, ob die Pumpe läuft, sondern was drumherum funktioniert. Hydraulischer Abgleich, ausreichend dimensionierter Pufferspeicher und eine vernünftige Heizkurve sind Pflicht. Wer eine alte Gasheizung eins zu eins gegen eine Wärmepumpe tauscht, ohne den Heizflächenbestand zu prüfen, läuft direkt in ein Kostengrab: Die Anlage arbeitet, der Komfort sinkt, die Stromrechnung steigt.
Die Vorlauftemperatur entscheidet über die Effizienz. Bleibt sie konstant hoch, weil zu kleine Heizflächen verbaut sind, sinkt der COP und der vermeintliche Klimavorteil relativiert sich. Prüfen Sie zuerst, ob eine Heizflächenvergrößerung oder eine niedertemperaturfähige Sanierung sinnvoller ist, bevor der Förderantrag startet.
Neue Technik, neue Wartung
Die installierte Batteriespeicherkapazität liegt laut dena inzwischen bei rund 30 Gigawattstunden auf etwa 2,6 Millionen Anlagen — der Löwenanteil sind private Heimspeicher mit circa 24 Gigawattstunden. Für Hausmeisterdienste heißt das: mehr Technik im Keller, mehr Wartungsintervalle, mehr Schnittstellen zwischen PV, Speicher und Wärmepumpe, die koordiniert werden wollen. Ohne Monitoring tappt man bei der ersten Störung im Dunkeln.
Gleichzeitig schwächelt die gebäudenahe Photovoltaik: Im ersten Halbjahr 2026 ist der Zubau um rund 17 Prozent zurückgegangen, ausgelöst durch die geänderten Bedingungen im Solarspitzengesetz und die Förderunsicherheit. Die Marke von insgesamt 80 Gigawatt Gebäudesolar ist trotzdem erreicht.
Rahmenbedingungen, die jetzt zählen
Mit dem am 28. Juli 2026 verkündeten Gebäudemodernisierungsgesetz entfällt die zuvor diskutierte 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen. Die Basisförderung von 30 Prozent sinkt mit den Boni schrittweise bis 2028, der Pflichtanteil nachhaltiger Brennstoffe steigt ab 2029 Jahr für Jahr. Wer jetzt eine neue Heizung einbaut, sollte diese Bio-Treppe bereits in seine Kalkulation einbeziehen.
Fakt ist: Im Neubau ist die Wärmepumpe angekommen, im Bestand bleibt es ein Geduldsspiel. Für Eigentümer und Verwalter heißt das, jede Heizungssanierung als integrale Aufgabe zu behandeln — Gebäudehülle, Heizflächen, Regelung und Wartung in einem Konzept. Sonst wird der Technikwechsel zum Flickwerk.