Effizientes Gebäudemanagement: Warum Daten und Fachwissen die Technik schlagen
Auf der ersten Fachtagung des ZHAW-Instituts für Facility Management haben am 8. September 2026 über 160 Fachleute aus Forschung und Praxis eine ungewöhnlich klare Botschaft formuliert: Mehr Technik macht Gebäude nicht automatisch besser.
Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 17. September 2026

Entscheidend ist die Kombination aus sauberen Daten, optimierten Betriebsprozessen und vor allem kompetenten Menschen, die beides zusammenführen. Für Eigentümer und Hausverwaltungen bedeutet das: Das größte Einsparpotenzial liegt selten in der nächsten Hightech-Anschaffung, sondern oft in schlichten Fehlkonfigurationen der bestehenden Technik.
Die 30-Prozent-Lücke im Bestand
Tim Frey, Geschäftsführer von EnergieSchweiz beim Bundesamt für Energie, verwies auf erhebliche Optimierungspotenziale im Gebäudebestand. Falsch eingestellte Wärmepumpen und ineffiziente Beleuchtungssysteme seien typische Kostentreiber, an denen viele Eigentümer ahnungslos vorbeilaufen. Die ZHAW-Kompetenzgruppe beziffert das Einsparpotenzial durch gezielte Beseitigung solcher Fehlkonfigurationen auf bis zu 30 Prozent Energie. Wer also über eine Neuanschaffung nachdenkt, sollte zuerst den Bestand prüfen lassen. Fakt ist: Eine sauber eingestellte Bestandsanlage schlägt jede überdimensionierte Neuanschaffung, deren Initialkosten sich oft erst nach Jahren amortisieren. Regelmäßige Wartungsintervalle und eine ehrliche Betriebsanalyse sind das, was Hausbesitzer sofort umsetzen können – ohne Förderantrag, ohne Pilotprojekt und ohne neues Smarthome-Versprechen.
Wo KI aufhört und Handwerk anfängt
Marie Seiler, CEO von Pensimo, nutzt künstliche Intelligenz, um den Betrieb von Heizungen zu optimieren. Aus ihrer Sicht rechnen sich die Energieeinsparungen gegenüber den hohen Initialkosten meistens – sofern man die Lebensdauer der Komponenten im Blick behält. Und genau hier liegt ein handwerklicher Grundsatz, der selten in Marketingbroschüren auftaucht: Die Lebensdauer von Technik ist deutlich kürzer als die des Gebäudes. Wer heute ein komplexes KI-System einbaut, muss in acht bis zehn Jahren erneut investieren. Jan Eckert, Head CH von JLL, warnte vor einem schleichenden Kompetenzverlust: Wenn KI Aufgaben übernimmt, geht jenes Know-how verloren, das später für Wartung und Fehlersuche gebraucht wird. Hannes Pichler, Direktor der ETH Immobilien, betonte, dass jede Investition in Technik einem konkreten Zweck dienen muss. Sein Design-Build-Ansatz, bei dem Planung und Bau gemeinsam vergeben werden, soll kürzere Umsetzungszeiten und tiefere Kosten liefern. Prüfen Sie also zuerst, welche Prozesse wirklich automatisiert werden müssen – und welche besser in Menschenhand bleiben.
Daten sind nur so gut wie ihre Leser
Ohne saubere Datengrundlage wird KI zum Raten statt zum Optimieren. Die Fachtagung machte deutlich, dass der Bedarf an Fachpersonen wächst, die Daten beurteilen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten können. Die Einführung von KI sei weniger eine technologische als eine organisatorische Herausforderung, hieß es in der anschließenden Paneldiskussion. Genau hier wird die Schnittstelle zwischen Bauherr, Facility Management und Handwerk zur eigentlichen Kostenfalle: Wer die Datenflut nicht selbst einordnen kann, kauft das, was der Anbieter ihm als Lösung verkauft – nicht das, was das Gebäude tatsächlich braucht. Bleiben Sie als Eigentümer also kritisch bei jedem Versprechen, das mit „Smart" oder „KI" etikettiert ist, und fordern Sie konkrete Wartungs- und Lebensdauerbelege statt Hochglanz-Fallstudien.