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Eine Kolumne von Gereon Thielen

Meldung

Warum die US-Notstrom-Verordnung ein Warnsignal für deutsche Immobilien ist

Das US-Energieministerium hat per Notfallverordnung dem Netzbetreiber PJM Interconnection erlaubt, Notstromaggregate in Gebäuden gezielt einzusetzen — Section 202(c) des Federal Power Act…

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 21. Juli 2026

Warum die US-Notstrom-Verordnung ein Warnsignal für deutsche Immobilien ist

Das US-Energieministerium hat per Notfallverordnung dem Netzbetreiber PJM Interconnection erlaubt, Notstromaggregate in Gebäuden gezielt einzusetzen — Section 202(c) des Federal Power Act, Hintergrund: extreme Sommerhitze bedroht die Netzstabilität an der Ostküste. Klingt nach einem Übersee-Problem. Ist es nicht.

Warum mich das auf deutschen Baustellen nervös macht

Als ich die Meldung las, dachte ich sofort an die letzten drei August-Hitzewellen hierzulande. Wenn die USA ihre Notstromaggregate in Bürotürmen und Rechenzentren hochfahren, damit das Ostküstennetz nicht kollabiert, reden wir nicht mehr über Komfort, sondern über Infrastruktur. Und Infrastruktur ist exakt mein Thema.

Fakt ist: Unsere Gebäude sind auf solche Lastfälle selten vorbereitet. Prüfen Sie zuerst Ihren Verteilerkasten. Viele Bestandsbauten aus den 80ern und 90ern haben Absicherungen, die mit einem zusätzlichen Klimagerät im Dauerbetrieb am Rand laufen. Die Kapillarwirkung durch Kondensat an kalten Rohrleitungen kennt jeder Installateur — der Taupunkt in ungedämmten Wandschächten ist ein Klassiker, der nach drei Hitzesommern den Putz von der Wand holt.

300 Prozent mehr Split-Geräte — und die gleiche Planlosigkeit

Die TGA-Branche fordert laut Branchenmeldung verstärkte bauliche Hitzeschutzmaßnahmen und fest installierte Klimaanlagen in Wohngebäuden und Pflegeeinrichtungen. Die Nachfrage nach Split-Klimageräten stieg im Vergleich zum Vorjahr um über 300 Prozent.

Wer jetzt schnell ein Gerät kauft, ohne Leitungswege, Stromabsicherung und Kondensatführung zu planen, baut sich ein stilles Kostengrab. Ich sehe das jede Woche auf der Objektbegehung: Klimasplit an der Fassade, Kondenswasserschlauch lose in den Kies, kein außenliegender Sonnenschutz, kein Wartungsintervall. Das hält zwei Sommer. Dann Schimmel, dann Streit, dann Sanierung.

Was ich Eigentümern jetzt rate

Bevor das Klimagerät kommt: Dachflächen, Rollladenkästen und Fensterfalze auf Dichtigkeit prüfen. Nachtlüftung und kontrollierte Querlüftung im Treppenhaus schlagen viele Anlagen — und kosten im Unterhalt fast nichts. Wer trotzdem klimatisiert: außenliegender Sonnenschutz zuerst, dann gedämmte Leitungswege, dann ausreichend dimensionierte Absicherung im Verteiler. In dieser Reihenfolge.

Die US-Notfallverordnung ist kein Grund zur Panik, aber ein Warnsignal. Gebäude müssen resilienter werden, nicht nur energieeffizienter. Das gilt in Philadelphia, in Frankfurt und in Köln gleichermaßen. Und es fängt nicht beim Gerät an, sondern bei dem, was vorher geprüft wurde.