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Eine Kolumne von Gereon Thielen

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Wärmepumpen zur Kühlung nutzen: Warum diese Funktion oft ungenutzt bleibt

Wie heise+ berichtet, kann eine Wärmepumpe in der Regel auch kühlen – nur wird diese Funktion in der Heizungsplanung selten konsequent mitgedacht.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 30. Juli 2026

Wärmepumpen zur Kühlung nutzen: Warum diese Funktion oft ungenutzt bleibt

Fakt ist: Das ist kein Bonus-Feature, sondern ein planerischer Hebel, der bei jeder Sanierung und jedem Neubau auf den Tisch gehört. Für Eigentümer und Hausverwaltungen heißt das: Wer jetzt über die Wärmepumpe nachdenkt, sollte das Thema Kühlung von Anfang an mitverhandeln – sonst zahlt man später doppelt.

Die Kühlung, die keiner einbaut

Eine Wärmepumpe, die heizt, kann mit derselben Technik auch Räume herunterkühlen. Das ist physikalisch trivial und technisch seit Jahren Standard. Trotzdem landet diese Möglichkeit in den meisten Projekten nicht im Leistungsverzeichnis – entweder weil der Heizungsbauer sie nicht aktiv anbietet oder weil der Bauherr den Mehrwert nicht auf dem Schirm hat. Wer eine Kühlung später nachrüstet, steht vor Wanddurchbrüchen, zusätzlichen Regelventilen und einer Hydraulik, die dafür nie ausgelegt wurde.

Prüfen Sie zuerst die Heizflächen: Flächenheizungen in Boden oder Wand lassen sich im Sommer ohne großen Aufwand für die Kühlung nutzen. Heizkörper mit hohen Vorlauftemperaturen sind dafür ungeeignet – sie arbeiten bei Kühlung ineffizient und werden schnell unbehaglich. Steht also ohnehin eine Sanierung an, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Verteilnetz so auszulegen, dass beide Betriebsarten sauber funktionieren.

Was die neue Gesetzeslage praktisch ändert

Die Stadtwerke Delmenhorst haben gegenüber dem Weser Kurier klargestellt, was das neue Gebäudemodernisierungsgesetz für Eigentümer konkret bedeutet: Die frühere 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien entfällt. Wer weiter mit Gas heizen will, kann das tun – muss aber ab 2029 zehn Prozent und ab 2040 sogar 60 Prozent klimafreundliche Brennstoffe zuführen. Die Stadtwerke rechnen hier mit deutlich steigenden Kosten.

Parallel bleibt die Wärmepumpe die geförderte Variante. Bis zu 80 Prozent Zuschuss sind möglich, bestehend aus einer Grundförderung von 30 Prozent und einem Klimageschwindigkeitsbonus von aktuell 16 Prozent, der ab 2027 schrittweise sinkt. Wichtig – das wird gern übersehen: Die Grundförderung gilt nur für Fabrikate aus Europa. Nicht-europäische Geräte bekommen maximal 15 Prozent Mindestförderung.

In Delmenhorst betreiben derzeit etwa 500 bis 700 Haushalte eine Wärmepumpe – bei knapp 30.000 Erdgasanschlüssen eine verschwindend geringe Zahl. Gleichzeitig schätzt der lokale Versorger, dass rund 90 Prozent der Gebäude im Stadtgebiet das Potenzial für einen Wärmepumpeneinbau hätten.

Worauf Sie jetzt achten sollten

Wer eine Pachtlösung ins Auge fasst, bekommt beim Versorger ein Komplettpaket: Einbau und Wartung liegen in dessen Verantwortung, die Laufzeit beträgt zehn bis 15 Jahre, danach ist die Anlage abbezahlt. Das ist handwerklich sauber und nimmt Eigentümern das größte Risiko – die unsachgemäße Wartung. Für eine Heizung, die 15 Jahre ohne Kontrolle läuft, ist kein Fachmann zu haben.

Egal ob Kauf oder Pacht: Lassen Sie vor der Entscheidung einen Energieberater durchs Haus. Delmenhorster Haushalte können diese Beratung ab Herbst dieses Jahres direkt über die Stadtwerke buchen. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern Pflichtprogramm – denn ohne Bestandsaufnahme von Dämmung, Vorlauftemperatur und Heizflächen wird jede Wärmepumpe zum Kostengrab. Fangen Sie also nicht mit dem Gerät an, sondern mit dem Gebäude.