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Eine Kolumne von Gereon Thielen

Meldung

Reinigungsmittel im Wandel: Was Hausmeister über neue Chemie wissen müssen

Das Marktanalysehaus IndexBox hat einen neuen Bericht zu industriellen und institutionellen Reinigungsmitteln in Deutschland veröffentlicht.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 26. August 2026

Reinigungsmittel im Wandel: Was Hausmeister über neue Chemie wissen müssen

Klingt trocken, ist es auch – aber wer professionell reinigt, Flächen werterhaltend pflegt und am Ende die Nebenkostenabrechnung verantwortet, sollte genau hinhören. Fakt ist: Die Chemie in unseren Kanistern verändert sich schneller, als die meisten Hausmeister und Verwalter mitbekommen.

Die Richtung stimmt – aber lesen Sie das Kleingedruckte

Aus dem Report geht unter anderem hervor, dass Evonik Industries mit der School of Mining der Universität Guanajuato kooperiert, um biosurfactantbasierte, weniger toxische Spezialchemikalien zu entwickeln – unter Nutzung von Evoniks Biosurfactant-Plattform zur Reduzierung der Umweltwirkung. Klingt nach mexikanischer Bergbauakademie, hat aber handfeste Folgen für Ihre Tiefgarage, Ihre Treppenhausflächen und Ihre Lüftungskanäle. Wer einmal gesehen hat, wie ein klassischer Entfetter die Fugen auswäscht und wie dieselbe Fläche mit einem biobasierten Tensid behandelt wird, weiß: Der Stoff macht den Unterschied. Weniger Toxizität heißt weniger Atemschutz, weniger aufwendige Belüftung nach der Schicht, weniger Stress beim nächsten Sicherheitsaudit.

Wichtig aber: "Biosurfactant" ist kein Gütesiegel. Prüfen Sie zuerst, welche Zertifizierungen tatsächlich auf dem Kanister stehen – Cradle to Cradle, EU Ecolabel oder nur ein grüner Aufdruck mit Blümchenranke. Letzteres kostet Sie die gleiche Miete, entlastet aber weder Umwelt noch Budget. Auch die Verträglichkeit mit Ihren Bodenbelägen ändert sich nicht automatisch – ein neues Mittel kann Ihre vorhandene Beschichtung in Wochen auflösen, wenn Sie nicht testen.

Was Hausmeister und Verwalter jetzt konkret tun sollten

Der Marktbericht ist Ihr Weckruf, nicht Ihr Einkaufszettel. Holen Sie Ihren Reinigungsdienstleister an den Tisch und stellen Sie drei Fragen: Welche Produktgeneration kommt aktuell zum Einsatz – noch klassische Tenside oder bereits biobasierte Varianten? Wie werden die Reinigungskräfte auf die neuen Mittel geschult? Und ganz banal: Wird die Dosieranlage regelmäßig kalibriert, oder läuft seit zwei Jahren die gleiche Pumpe mit halb verstopfter Düse? Denn das ist die Wahrheit auf jeder Baustelle: Das beste Biosurfactant bringt nichts, wenn der Mitarbeiter es im Verhältnis eins zu eins statt eins zu zweihundert anwendet. Ihr Wartungsprotokoll muss diese Umstellungen abbilden – Stoffname, Konzentration, Wechseldatum, beobachtete Materialverträglichkeit. Nur so sehen Sie in zwölf Monaten, ob die neue Chemie tatsächlich weniger Bodenbeschichtung verätzt hat oder ob der Fugenmörtel genauso schnell verschwindet wie vorher.

Worauf ich in den nächsten Wochen achte

Ich bleibe an dem Thema dran. Solche Marktanalysen liefern erfahrungsgemäß Volumina, Wachstumsraten und Import- beziehungsweise Exportdaten – und die lese ich durchaus, weil sie mir zeigen, ob der deutsche Markt tatsächlich biobasierte Produkte aufnimmt oder ob das Gros weiterhin aus den altbekannten Quellen kommt. Sobald ich belastbare Zahlen für den Bereich Facility Management habe – also wirklich Treppenhaus, Tiefgarage, Schulflächen, nicht nur Industriewerk –, melde ich mich mit einer konkreten Produktempfehlung. Bis dahin gilt: Kanister umdrehen, Inhaltsstoffe lesen, Dosierung prüfen, beim Dienstleister nachfragen. Mehr braucht es nicht, um aus einem weltweiten Chemietrend einen handfesten Vorteil für Ihre Immobilie zu machen.