Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister
06. August 2026 · 14 Min. Lesezeit
Kolosseum Eintritt: Warum teurere Tickets den Stein schützen
100.000 Kubikmeter Travertinstein. Ohne Mörtel, nur mit Eisenklammern zusammengehalten. Wenn Sie das nächste Mal eine Eintrittskarte für das Kolosseum kaufen, bezahlen Sie nicht einfach für das Recht, durch ein Tor zu gehen.

Sie finanzieren damit ein Besuchersystem, Sicherheitsmaßnahmen, Reinigung und die laufende Arbeit einer staatlichen Denkmalverwaltung. Vor allem aber leisten die Einnahmen aus dem Ticketverkauf einen maßgeblichen Beitrag dazu, dieses Bauwerk überhaupt dauerhaft zugänglich zu halten.
Tickets und Preise
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|---|---|---|
| Colosseum, Roman Forum & Palatine Hill with Audioguide App | Eintrittskarte | ab 29 € |
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Preise geprüft am 15. Juli 2026 · aktueller Preis auf der Partnerseite.
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Partnerlink — GetYourGuide-TicketsDas klingt abstrakt, bis man die Größenordnung kennt. Der Parco archeologico del Colosseo kalkuliert mit rund 50 Millionen Euro jährlichen Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Diese Summe ist kein automatisch zweckgebundener Restaurierungstopf, dessen genaue Aufteilung öffentlich in jedem Detail feststeht. Sie bildet jedoch eine wichtige wirtschaftliche Grundlage für den Betrieb, die Pflege und den Erhalt des archäologischen Areals. Seit Oktober 2023 ist außerdem jede Eintrittskarte personalisiert – nicht aus Bürokratismus, sondern als Reaktion auf den Schwarzmarkt und als Instrument zur Steuerung des Besucherstroms.
Fakt ist: Ihr Kolosseum Eintritt ist kein bloßes Zugangsticket. Er ist Teil eines Systems, das den Zugang begrenzt, Einnahmen für die öffentliche Denkmalpflege erschließt und den Druck auf ein fast 2.000 Jahre altes Bauwerk kontrollierbar machen soll.
Die ökonomische Basis der Denkmalpflege: 50 Millionen Euro für den Erhalt
Prüfen Sie zuerst, worüber beim Ticketpreis eigentlich gesprochen wird. Die archäologische Parkverwaltung des Kolosseums erzielt aus dem Kartenverkauf beträchtliche Einnahmen – nach den vorliegenden Angaben rund 50 Millionen Euro pro Jahr. Das ist eine beachtliche Summe, aber sie darf nicht zu einer allzu einfachen Rechnung verleiten: Nicht jeder Euro lässt sich einer einzelnen Fuge, jeder Reinigung oder einem bestimmten Travertinblock zuordnen.
Eine solche Einrichtung muss weit mehr leisten, als am Eingang Tickets zu kontrollieren. Zum laufenden Betrieb gehören unter anderem Personal, Zugangskontrollen, Sicherheitskonzepte, Besucherlenkung, technische Anlagen, Vermittlungsangebote, Reinigung und die Betreuung des gesamten archäologischen Parks mit Kolosseum, Forum Romanum und Palatin. Dazu kommen Untersuchungen an der Bausubstanz, konservatorische Eingriffe und größere Restaurierungsprojekte. Die genaue Verteilung der Einnahmen ist komplex und nicht mit der Behauptung gleichzusetzen, die gesamten 50 Millionen Euro würden unmittelbar in die Reinigung antiken Steins fließen.
Trotzdem bleibt der Zusammenhang eindeutig: Ohne regelmäßige Einnahmen wäre die kontinuierliche Betreuung eines solchen Denkmals kaum zu organisieren. Restaurierung beginnt nicht erst, wenn ein Stein sichtbar herausbricht. Sie umfasst auch die Beobachtung des Zustands, die Dokumentation von Veränderungen, die Reinigung mit geeigneten Verfahren und die frühzeitige Sicherung gefährdeter Bereiche.
Die Ticketpreise für 2026 liegen bei 18,00 Euro für das Standardticket – einen 24-Stunden-Pass, der auch das Forum Romanum und den Palatin einschließt. Das Full-Experience-Ticket mit Zugang zur Arena und den Untergeschossen kostet 24,00 Euro. Ob dieser Preis im Einzelfall hoch wirkt, hängt auch davon ab, was man von einem Besuch erwartet. Bei einem modernen Freizeitangebot bezahlt man meist für eine zeitlich begrenzte Nutzung. Beim Kolosseum bezahlt man zusätzlich für den Zugang zu einer empfindlichen historischen Substanz, deren Betrieb nicht beliebig hochgefahren werden kann.
Ihr Ticket bezahlt nicht nur den Eintritt. Es trägt ein System, das den Zugang begrenzt und die Bewahrung von 100.000 Kubikmetern Travertin überhaupt finanzierbar macht.
Im Jahr 2023 gab es außerdem eine zeitlich begrenzte Sondermaßnahme: Vom 15. Juni bis 15. Dezember wurde der Ticketpreis um 1,00 Euro erhöht. Der Aufschlag war für die Unterstützung des Denkmalschutzes nach den Überschwemmungen in der Emilia-Romagna vorgesehen. Gerade an diesem Beispiel lässt sich der Unterschied zwischen einer offen ausgewiesenen Sonderabgabe und den regulären Einnahmen erkennen. Während der zusätzliche Euro zeitlich begrenzt und mit einem konkreten Anlass verbunden war, ist die allgemeine Mittelverwendung des Ticketverkaufs breiter angelegt.
| Tickettyp | Preis 2026 | Inklusive |
|---|---|---|
| Standardticket, 24 Stunden | 18,00 € | Kolosseum, Forum Romanum und Palatin |
| Full Experience | 24,00 € | Zusätzlich Arena und Untergeschosse |
| Temporärer Aufschlag 2023 | +1,00 € | Unterstützung nach den Überschwemmungen in der Emilia-Romagna |
Bei rund 9 Millionen Besuchern im Jahr 2025 und einem Durchschnittspreis von deutlich über 18 Euro entsteht daraus eine erhebliche Einnahmebasis. Diese Zahl beschreibt allerdings nicht automatisch den Betrag, der nach Abzug aller betrieblichen Kosten für Restaurierungen zur Verfügung steht. Sie zeigt vielmehr, welche wirtschaftliche Bedeutung der Besucherstrom für die Verwaltung des Areals hat.
Das Geld muss dort eingesetzt werden, wo der Betrieb und die Substanz gleichermaßen geschützt werden. Ein Denkmal dieser Größe kann nicht nach dem Prinzip „erst reparieren, wenn etwas sichtbar kaputt ist“ betreut werden. Das wäre bei einem denkmalgeschützten Wohnhaus fahrlässig – und beim Kolosseum schlicht nicht bezahlbar.
Travertin unter Druck: Warum das Besucherlimit von 3.000 Personen existiert
Hier wird es für jeden interessant, der Gebäude betreut oder sich mit Werterhalt beschäftigt. Im Kolosseum dürfen sich höchstens 3.000 Personen gleichzeitig aufhalten. Das Limit ist keine bloße Komfortregel und auch kein willkürliches Hindernis für den Tourismus. Es ist eine Maßnahme, mit der sich die Belastung eines empfindlichen Bauwerks begrenzen lässt.
Travertin ist ein Kalkstein. Er reagiert auf Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen, Verwitterung und mechanische Beanspruchung. Das Kolosseum besteht zudem aus gewaltigen Bauteilen, die über lange Zeiträume Bewegungen, Setzungen und Materialveränderungen ausgesetzt sind. Die antiken Eisenklammern, die viele Steinblöcke verbinden, können korrodieren. In Fugen und Rissen kann Feuchtigkeit eindringen. Besucher bringen außerdem Schmutz und Feuchtigkeit ein, berühren Oberflächen, bleiben an Engstellen stehen und erzeugen durch ihre Bewegung eine permanente Belastung der Wege und Treppen.
Es wäre allerdings zu einfach, jede einzelne Abnutzungserscheinung unmittelbar den Füßen der Besucher zuzuschreiben. Die Substanz wird durch ein Zusammenspiel vieler Faktoren beansprucht: durch das Klima, die jahrhundertelange Baugeschichte, frühere Eingriffe, die offene Lage des Monuments und die hohe Zahl der Menschen, die es heute sehen wollen. Genau deshalb ist die Besucherzahl ein steuerbarer Faktor, den die Verwaltung nicht ignorieren kann.
Prüfen Sie zuerst die Physik, bevor Sie über Regulierung schimpfen. Ein Limit von 3.000 Personen soll verhindern, dass sich zu viele Menschen gleichzeitig in denselben Bereichen konzentrieren. Es erleichtert die Evakuierung, verbessert die Kontrolle und ermöglicht eine verlässlichere Besucherlenkung. Außerdem reduziert es den Druck auf besonders empfindliche Zonen. Das ist professionelle Denkmalpflege – ähnlich wie bei einem denkmalgeschützten Wohnhaus, in dem ein Statiker die maximale Belastung eines Geschosses bewertet, bevor dort eine neue Nutzung zugelassen wird.
3.000 Besucher gleichzeitig sind keine touristische Laune, sondern eine Grenze, mit der sich die Belastung eines fast 2.000 Jahre alten Bauwerks kontrollieren lässt.
Für Besucher hat diese Regel eine sehr konkrete Konsequenz: Buchen Sie früh. Die begrenzte Kapazität ist nicht nur auf dem Papier vorhanden. Wer zu spät kommt oder sich auf ein Ticket vor Ort verlässt, riskiert lange Wartezeiten oder keinen Zugang zum gewünschten Zeitraum. Besonders bei geführten Besichtigungen, dem Zugang zur Arena oder den Untergeschossen sind die verfügbaren Zeitfenster schnell begrenzt.
Die Zahl allein erzählt jedoch noch nicht die ganze Geschichte. Entscheidend ist auch, wie sich Menschen verteilen. Ein Bereich kann durch eine hohe Konzentration stärker beansprucht werden als ein größerer, weniger frequentierter Abschnitt. Deshalb gehören Wegeführung, Einlasszeiten und räumliche Trennung zu den Werkzeugen der Verwaltung. Besuchersteuerung ist hier kein Zusatzservice, sondern eine Form des Substanzschutzes.
Was Besucherlenkung mit Gebäudepflege zu tun hat
Bei einem Wohngebäude denkt man bei Pflege oft an Dach, Fassade, Haustechnik und Außenanlagen. Im Kolosseum kommen die Besucherströme als eigener Belastungsfaktor hinzu. Jede geöffnete Fläche muss zugänglich, beobachtbar, sicher und regelmäßig kontrollierbar sein. Bereiche, die dauerhaft stark frequentiert werden, benötigen eine andere Pflege als Zonen, die nur gelegentlich geöffnet sind.
Das gilt auch für die Reinigung. Sie muss Schmutz und Ablagerungen entfernen, ohne die historische Oberfläche anzugreifen. Ein Verfahren, das bei einem modernen Steinboden problemlos funktioniert, kann bei antikem Travertin zu aggressiv sein. Professionelle Gebäudebetreuung bedeutet deshalb nicht, möglichst oft und möglichst kräftig zu reinigen. Sie bedeutet, Material, Verschmutzung und Verfahren aufeinander abzustimmen.
Personalisierung als Schutzschild: Kampf gegen den Schwarzmarkt
Seit dem 18. Oktober 2023 sind die Eintrittskarten für den Archäologischen Park des Kolosseums personalisiert. Auf Italienisch heißt das biglietto nominativo. Der Name des Besuchers steht auf der Karte; am Eingang kann eine Ausweiskontrolle erfolgen. Für den spontanen Museumsbesuch ist das weniger bequem als ein frei übertragbares Ticket. Für ein überlaufenes Denkmal hat die Regel jedoch einen nachvollziehbaren Zweck.
Ein personalisiertes Ticket erschwert den organisierten Aufkauf und den Weiterverkauf von Karten. Wer Eintrittskarten in größerem Umfang reserviert, kann sie nicht mehr so einfach anonym an andere Besucher weitergeben. Der Schwarzmarkt verliert damit einen Teil seiner Attraktivität. Gleichzeitig erhält die Verwaltung bessere Möglichkeiten, den Zugang den tatsächlich vorgesehenen Personen und Zeitfenstern zuzuordnen.
Die Problematik bestand nicht nur darin, dass einzelne Tickets teurer weiterverkauft wurden. Ein unkontrollierter Zweitmarkt kann auch die reguläre Buchung verzerren. Wer offiziell keine Karte mehr findet, obwohl Plätze in größerem Umfang reserviert wurden, erlebt den Besuch als ungerecht und unplanbar. Für die Verwaltung wird es schwieriger einzuschätzen, wie viele Menschen tatsächlich erscheinen, wann sie eintreffen und wie stark einzelne Zugänge belastet werden.
Eine konkrete Aufschlagsspanne lässt sich aus der vorliegenden Faktenlage nicht seriös ableiten. Sicher ist aber: Der Weiterverkauf zu deutlich erhöhten Preisen war ein Problem, gegen das die Personalisierung ein praktisches Mittel darstellt. Sie ersetzt keine gute Kontrolle und verhindert nicht jede Form von Missbrauch. Sie macht den Handel jedoch aufwendiger und erhöht das Risiko für Anbieter, die Karten nicht bestimmungsgemäß weitergeben.
Für Sie als Besucher bedeutet das:
- Buchen Sie den Namen korrekt und vergleichen Sie ihn mit dem Ausweisdokument, das Sie beim Einlass vorlegen.
- Kaufen Sie möglichst über den offiziellen Vertrieb oder eine eindeutig autorisierte Verkaufsstelle.
- Rechnen Sie damit, dass eine Übertragung auf eine andere Person nicht ohne Weiteres möglich ist.
- Bewahren Sie die Buchungsbestätigung und die Informationen zum Zeitfenster griffbereit auf.
- Seien Sie vorsichtig bei Angeboten, die deutlich über dem offiziellen Preis liegen oder eine kurzfristige Umgehung der Namensbindung versprechen.
Die Personalisierung hat außerdem eine zweite Funktion. Sie macht den Besucherstrom planbarer. Wenn die Verwaltung weiß, welche Karten für welche Zeitfenster ausgegeben wurden, kann sie Einlass, Sicherheitskontrollen und Wegeführung besser organisieren. Das ist keine lückenlose Bewegungsanalyse und auch kein Beweis dafür, dass jede Instandhaltungsentscheidung unmittelbar aus Ticketdaten abgeleitet wird. Es ist vielmehr ein Baustein in einem größeren System der Kapazitäts- und Betriebsplanung.
Was viele übersehen: Gute Denkmalpflege braucht verlässliche Betriebsdaten. Wann kommen die meisten Menschen? Wo bilden sich Staus? Welche Wege werden besonders stark genutzt? Welche Bereiche müssen häufiger kontrolliert oder gereinigt werden? Solche Fragen kennt auch jeder professionelle Hausmeisterservice, der ein großes Wohn- oder Bürogebäude betreut. Nur ist beim Kolosseum nicht der Teppich im Eingangsbereich empfindlich, sondern ein historisches Bauwerk von außergewöhnlicher Bedeutung.
Von privater Initiative zur staatlichen Instandhaltung: Die Restaurierung seit 2013
Die große Restaurierung des Kolosseums begann 2013. Einen wesentlichen Impuls gab die private Initiative von Diego Della Valle, dem Eigentümer des Schuhkonzerns Tod’s. Er stellte zunächst 25 Millionen Euro und später insgesamt mehr als 30 Millionen Euro zur Verfügung. Im Zuge dieser Arbeiten wurde unter anderem der durch Ablagerungen und Ruß dunkel gewordene Travertin gereinigt.
Diese Restaurierung ist bis heute ein Beispiel dafür, wie öffentliche Denkmalpflege und private Finanzierung ineinandergreifen können. Das Kolosseum gehört nicht zu den Bauwerken, die mit einem einzigen Projekt „fertig restauriert“ sind. Nach einer Maßnahme beginnt die nächste Phase: Beobachtung, Wartung, Nachkontrolle und gegebenenfalls die Bearbeitung neuer Schadensbilder.
Fakt ist: Private Initiative kann große Restaurierungsprojekte beschleunigen oder überhaupt erst in dieser Größenordnung ermöglichen. Daraus folgt aber nicht, dass der laufende Erhalt ausschließlich von Sponsoren abhängt. Die staatliche Verwaltung bleibt für Zugang, Schutz, Forschung, Organisation und Instandhaltung verantwortlich. Ticket Einnahmen und öffentliche Mittel bilden dafür eine wichtige Grundlage; private Beiträge können einzelne Vorhaben ergänzen.
Die Restaurierung umfasste mehr als eine oberflächliche Reinigung:
1. Travertinreinigung: Ablagerungen, Schmutz und dunkle Beläge werden mit steinschonenden Verfahren entfernt. Entscheidend ist, die Oberfläche nicht durch unnötig aggressive Behandlung zu verändern. Ein Hochdruckreiniger, der im Außenbereich eines modernen Gebäudes eingesetzt werden kann, ist bei antikem Naturstein keine automatische Lösung.
2. Untersuchung der Eisenklammern: Die historischen Verbindungselemente müssen auf ihren Zustand überprüft werden. Korrosion kann den Stein und die Stabilität einzelner Bauteile beeinflussen. Jede Sicherung verlangt deshalb eine genaue Bewertung, statt pauschal alle Elemente auszutauschen.
3. Bearbeitung von Fugen und Anschlussstellen: Fugen sind keine nebensächlichen Linien zwischen großen Blöcken. Sie beeinflussen, wie Wasser eindringt und wieder abfließen kann. Schäden an diesen Übergängen können die Alterung des Steins beschleunigen.
4. Dokumentation und Kontrolle: Restaurierung ist auch Vermessung, Fotodokumentation und Zustandsbeobachtung. Nur wer Veränderungen über längere Zeit verfolgt, kann entscheiden, ob eine Stelle nur beobachtet, gereinigt oder tatsächlich stabilisiert werden muss.
5. Besucher- und Zugangsschutz: Die bauliche Arbeit steht nicht isoliert vom Betrieb. Wege, Absperrungen und die Auswahl zugänglicher Bereiche entscheiden mit darüber, wie schnell sich frisch bearbeitete oder besonders empfindliche Zonen wieder abnutzen.
Gerade hier zeigt sich der Unterschied zwischen Reinigung und Denkmalpflege. Reinigung entfernt eine Verschmutzung. Denkmalpflege fragt zusätzlich, warum sie entstanden ist, welches Verfahren den Stein nicht schädigt und wie sich eine erneute Belastung begrenzen lässt. Das ist dieselbe Grundhaltung, die bei einem historischen Wohnhaus gilt – nur unter wesentlich komplexeren Bedingungen.
Und genau deshalb sollte man die Einnahmen aus dem Kolosseum Eintritt weder als direkte Einzelabrechnung für eine bestimmte Steinfläche darstellen noch ihre Bedeutung kleinreden. Die Mittel tragen zum Betrieb eines Systems bei, in dem Restaurierung, Reinigung, Besuchersicherheit und Zugangskontrolle zusammengehören.
Architektonische Dimensionen: Das neue Travertinpflaster als Teil der Werterhaltung
Im März 2026 wurde an der Südseite des Kolosseums ein neues Travertinpflaster eingeweiht. Es zeichnet den ursprünglichen Grundriss des eingestürzten äußeren Rings nach und macht damit eine architektonische Dimension sichtbar, die Besucher am heutigen Ruinenbestand sonst nur schwer erfassen können.
Das Pflaster ist mehr als eine touristische Gestaltung. Es markiert eine historische Struktur, schützt den Untergrund und kann dazu beitragen, Besucherströme zu ordnen. Wo Menschen intuitiv stehen bleiben, fotografieren oder sich sammeln, entstehen andere Belastungen als auf klar geführten Wegen. Eine gut geplante Oberfläche kann deshalb gleichzeitig Orientierung bieten und empfindlichere Zonen entlasten.
Dabei ist auch die Materialwahl nicht nebensächlich. Travertin steht in direktem Bezug zur historischen Erscheinung des Monuments. Das neue Pflaster soll nicht so tun, als sei der eingestürzte Ring wieder vollständig aufgebaut. Es übersetzt vielmehr den früheren Grundriss in eine lesbare Ebene. Besucher erhalten eine Vorstellung von der ursprünglichen Ausdehnung, ohne dass die fehlende Bausubstanz rekonstruiert werden muss.
Das neue Travertinpflaster zeigt den Grundriss des eingestürzten äußeren Rings – und verbindet historische Lesbarkeit mit dem Schutz des heutigen Untergrunds.
Für Gebäudebetreuer ist das eine nützliche Lektion: Werterhaltung ist nicht nur Reparatur. Sie besteht auch darin, die Nutzung eines Ortes so zu organisieren, dass seine Substanz möglichst wenig unnötigem Druck ausgesetzt wird. Ein Bodenbelag kann dabei eine gestalterische, funktionale und konservatorische Aufgabe zugleich übernehmen.
Das gilt genauso für ein denkmalgeschütztes Wohnhaus. Ein neuer Weg durch den Garten, eine robuste Eingangszone oder eine klare Trennung zwischen Besucherbereich und empfindlicher Fassade kann Schäden vermeiden, bevor sie entstehen. Gute Pflege versteckt sich nicht immer hinter Gerüsten und Werkzeugen. Manchmal zeigt sie sich in einer unspektakulären, aber klugen Entscheidung über Wege, Materialien und Nutzung.
Warum Erhalt mehr ist als sichtbare Restaurierung
Besucher nehmen meist die großen Eingriffe wahr: eine gereinigte Fassade, ein neues Pflaster oder ein geöffnetes Untergeschoss. Die weniger sichtbare Arbeit entscheidet jedoch ebenso über die Zukunft des Bauwerks. Dazu gehören die regelmäßige Kontrolle von Oberflächen, die Beobachtung von Feuchtigkeit, die Anpassung der Besucherführung und die Frage, wann ein Bereich vorübergehend geschlossen werden muss.
Bei einem Monument wie dem Kolosseum ist jede Entscheidung ein Ausgleich. Zu viel Zugang kann die Substanz belasten. Zu wenig Zugang nimmt dem Denkmal seine öffentliche Funktion. Zu häufige Eingriffe können historische Oberflächen beeinträchtigen; zu langes Abwarten kann Schäden vergrößern. Denkmalpflege ist deshalb keine einmalige Schönheitskur, sondern ein dauerhaftes Abwägen zwischen Nutzung und Schutz.
Fazit: Ihr Ticket als Beitrag zur Substanz
Der Kolosseum Eintritt ist keine bloße Zugangsgebühr. Er ist Teil der finanziellen Grundlage, mit der der Archäologische Park seinen Betrieb organisiert und den Erhalt des Monuments unterstützt. Rund 50 Millionen Euro jährliche Einnahmen aus dem Ticketverkauf zeigen, welche wirtschaftliche Bedeutung der Besucherstrom hat. Sie erlauben jedoch nicht automatisch die Aussage, jeder einzelne Euro fließe direkt in eine bestimmte Restaurierungsmaßnahme. Die genaue Mittelverwendung ist breiter und umfasst neben Restaurierung und Reinigung auch Personal, Sicherheit, Zugang, Besucherlenkung und den laufenden Betrieb.
Die Personalisierung der Karten seit 2023 erschwert den Schwarzmarkt und macht die Auslastung besser planbar. Das Limit von 3.000 Personen begrenzt die gleichzeitige Belastung. Die Restaurierung seit 2013 zeigt, wie öffentliche Verantwortung und private Initiative zusammenwirken können. Und das neue Travertinpflaster macht deutlich, dass Werterhaltung auch durch kluge Gestaltung und Besucherführung stattfindet.
Prüfen Sie diese Zusammenhänge, bevor Sie über den Preis schimpfen. Das Kolosseum ist kein Vergnügungspark, sondern ein empfindliches Denkmal, das täglich benutzt wird und trotzdem erhalten bleiben soll. Denkmale kosten Geld – nicht nur dann, wenn ein Gerüst sichtbar an der Fassade steht. Sie kosten Geld für Kontrolle, Reinigung, Planung, Personal und für die vielen kleinen Entscheidungen, die verhindern, dass aus einer langsamen Abnutzung ein irreparabler Schaden wird. Genau darin liegt der eigentliche Wert Ihres Tickets.
Praktische Hinweise
Währung: EUR
Verkehr: rechts
Notrufnummer: 112
Wichtige Fakten
Baujahr: 82
Höhe: 48 m
Denkmalstatus: italienisches Nationalmonument
Offizielle Website: colosseo.it
Häufige Fragen
Warum sind die Eintrittskarten für das Kolosseum personalisiert?
Wie hoch ist das Besucherlimit im Kolosseum?
Was kostet der Eintritt in das Kolosseum im Jahr 2026?
Fließen alle Einnahmen aus dem Ticketverkauf direkt in Restaurierungen?
Foto: FeaturedPics / CC BY-SA 4.0 — Wikimedia Commons