Klimaanpassung im Facility Management: Das neue GEFMA-Whitepaper 984-5
Mitte Juli hat der Verband gefma ein neues White Paper veröffentlicht – die GEFMA 984-5 „Klimaanpassung als Aufgabe des Facility Management".
Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 21. Juli 2026

Klingt erst mal nach trockener Verbandslektüre, ist aber für jeden, der Bestandsimmobilien bewirtschaftet, eine echte Gebrauchsanweisung. Regina Zeitner, Leiterin des Autorenteams und Mitglied im gefma-Arbeitskreis Nachhaltigkeit, bringt es auf den Punkt: Klimaanpassung ist keine Zukunftsfrage mehr, sondern betriebswirtschaftliche, gesellschaftliche und versicherungsrelevante Notwendigkeit. Das Facility Management sitzt an der Schnittstelle zwischen Gebäude und Außenraum – genau dort entscheidet sich, ob aus dem Konzept tatsächlich Betrieb wird.
Wo bisher der Kennzahlen-Notstand herrschte
Fakt ist: Für Energieeffizienz gibt es DIN-Normen, Label und Förderprogramme en masse. Sobald es aber um Dachbegrünung, Fassadengrün oder Entsiegelung geht, wird es dünn. Wer als Eigentümer oder Hausmeister eine Ausschreibung für ein Gründach aufsetzen wollte, wusste bisher vor allem eines – es gibt keinen belastbaren Standard, an dem sich Preise, Leistungen und Lebenszykluskosten vergleichen lassen. Genau diese Lücke will die GEFMA 984-5 schließen. Das Heft erläutert die Grundlagen der Klimaanpassung und zeigt die Auswirkungen eines veränderten Klimas auf Quartier, Immobilie und Nutzer. Adressaten sind laut Verband ausdrücklich Investoren, Eigentümer, Betreiber, Asset- und Property Manager sowie FM-Dienstleister. Heißt übersetzt: Auch wer „nur" ein Mehrfamilienhaus oder eine Gewerbeimmobilie verantwortet, ist gemeint.
Was Sie auf der Objektbegehung prüfen sollten
Aus der Praxis kenne ich drei typische Fehlannahmen, die das Papier ordentlich adressiert:
- Dachbegrünung ohne Wartungskonzept. Ein Gründach ist kein Selbstläufer. Wer nicht weiß, wer die Vegetation pflegt, wann das Substrat nachgesetzt wird und wie die Entwässerung kontrolliert wird, hat in fünf Jahren ein Kostengrab statt einer resilienten Lösung.
- Fassadenbegrünung an der falschen Fassade. Ohne Taupunktbetrachtung und Prüfung des vorhandenen Putzes wird die Begrünung zur Sanierungsfalle. Prüfen Sie zuerst, was die Fassade heute aushält – nicht, was die Broschüre verspricht.
- Entsiegelung als reine Geste. Flächen entsiegeln bringt nur etwas, wenn die Folgenutzung – Versickerung, Bepflanzung – im Wartungsintervall auftaucht. Sonst steht in zwei Jahren ein Schild „Betreten verboten" auf einer Wildkrautfläche.
Das Paper stellt nach gefma-Angaben nicht nur ökologische und soziale Vorteile dar, sondern auch die nötigen Investitions- und Bewirtschaftungskosten. Genau diese Seite fehlte bislang – und genau deshalb ist das Heft für mich mehr als das nächste PDF im Verbands-Newsletter.
Was bleibt zu tun
Wer jetzt Maßnahmen plant, sollte drei Punkte mitnehmen. Erstens: Wartung von Anfang an mitdenken. Klimaanpassung endet nicht mit der Abnahme, sie fängt dort erst an. Zweitens: Kennzahlen einfordern. Wenn Ihr Dienstleister ein Gründach oder eine Versickerungsanlage anbietet, fragen Sie nach Lebenszykluskosten, Wartungsintervallen und Haftungsfragen – nicht nur nach dem Anschaffungspreis. Drittens: Klären Sie die Versicherungsfrage vor der Investition, nicht danach. Das Papier weist explizit auf die versicherungsrelevante Dimension hin. Wer hier blind bestellt, zahlt im Schadenfall doppelt.
Das White Paper GEFMA 984-5 steht gefma-Mitgliedern kostenfrei zum Download bereit, Nicht-Mitglieder zahlen 59 Euro zzgl. USt. Für jeden, der ernsthaft Bestand bewirtschaftet, ist das gut angelegtes Geld – allemal billiger als die nächste Fehlinvestition, die ohne belastbare Kennzahl daherkommt.