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Eine Kolumne von Gereon Thielen

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister

01. September 2026 · 14 Min. Lesezeit

Innendämmung im Altbau: Warum falsche Dämmstoffe Schimmel fördern

Eine Innendämmung kann die Wohnqualität im Altbau deutlich verbessern. Sie kann kalte Wandoberflächen entschärfen, Räume schneller behaglich machen und den Energiebedarf senken.

Innendämmung im Altbau: Warum falsche Dämmstoffe Schimmel fördern

Sie kann aber ebenso ein sauber saniertes Zimmer in wenigen Heizperioden zum Feuchteproblem machen. Der Grund liegt selten im Dämmstoff allein. Meist stimmt der gesamte Wandaufbau nicht.

Bei einer Innendämmung kühlt das bestehende Mauerwerk im Winter stärker aus. Der Taupunkt verschiebt sich an die Grenzschicht zwischen Dämmstoff und Außenwand. Trifft dort feuchtwarme Raumluft auf eine kalte Oberfläche, fällt Kondensat an. Bleibt die Feuchtigkeit im Aufbau, beginnt die Schimmelbildung nach der Sanierung oft nicht sichtbar im Raum, sondern hinter der Dämmplatte.

Fakt ist: Eine Innendämmung ist keine aufgeklebte Tapete mit etwas Wärmeschutz. Sie ist ein bauphysikalischer Eingriff in die Außenwand. Wer nur auf den Wärmeleitwert des Materials schaut, kauft sich schnell ein Kostengrab.

Physikalische Ursachen: Die Taupunktverschiebung im Mauerwerk

Prüfen Sie zuerst die Ausgangslage. Nicht die Dämmplatte ist der erste Punkt auf der Baustelle, sondern die bestehende Wand.

Bei einer Außendämmung bleibt das Mauerwerk im Winter vergleichsweise warm. Die Dämmschicht liegt auf der kalten Seite und hält die Wand innerhalb der thermischen Hülle. Bei einer Innendämmung ist es umgekehrt: Die warme Raumluft wird vom alten Mauerwerk getrennt. Die Außenwand erhält weniger Wärme aus dem Innenraum und kühlt stärker aus.

Damit verschiebt sich der Taupunkt in den Wandaufbau. Gemeint ist der Bereich, in dem die Luftfeuchtigkeit bei der jeweiligen Temperatur zu Wasser kondensiert. Dieser Bereich muss nicht automatisch zum Schaden führen. Das ist der entscheidende Punkt. Feuchtigkeit kann in einem passend geplanten, kapillaraktiven System aufgenommen und wieder zur Raumseite transportiert werden. Sie kann dort verdunsten.

Problematisch wird es, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen:

  • Die Außenwand ist bereits durch Schlagregen, Risse oder undichte Anschlüsse belastet.
  • Die Dämmplatten liegen nicht vollflächig an.
  • Hinter der Dämmung entstehen Hohlräume.
  • Eine Dampfbremse wird beschädigt oder an Durchdringungen nicht luftdicht angeschlossen.
  • Der Wandaufbau enthält feuchteempfindliche Materialien.
  • Fensterlaibungen, Deckenanschlüsse und Innenwände werden nicht in die Planung einbezogen.
  • Die Raumluft bleibt dauerhaft feucht, während die Oberflächen kalt bleiben.

Der Begriff Taupunktverschiebung wird auf Baustellen gern wie eine Warnlampe benutzt. Er erklärt aber allein noch keinen Schaden. Entscheidend ist, was mit dem Kondensat im konkreten Wandaufbau geschieht. Eine kapillaraktive Platte behandelt anfallende Feuchte anders als ein System mit empfindlicher Dampfbremse. Genau deshalb reicht es nicht, Dämmstoffe nach Plattenstärke oder Preis zu vergleichen.

Die Außenwand muss vor der Dämmung trocken und intakt sein

Eine Innendämmung repariert keine undichte Fassade. Feuchtigkeit von außen bleibt Feuchtigkeit von außen. Dringt Schlagregen durch offene Fugen, beschädigten Außenputz oder Risse ein, wird die Wand durch die zusätzliche Innendämmung langsamer trocken. Das ist keine Nebensache, sondern eine häufige Ursache für Ärger.

Auch aufsteigende Feuchte, Leckagen an Fallrohren oder undichte Fensteranschlüsse gehören vor Beginn der Arbeiten geklärt. Eine feuchte Wand einfach mit Dämmplatten zu verkleiden, verdeckt zunächst nur das Schadensbild. Der Bauherr sieht weniger, der Schaden sieht mehr.

Vor der Ausführung gehören deshalb mindestens diese Punkte auf den Tisch:

  • Zustand und Material des Mauerwerks
  • sichtbare Risse, offene Fugen und Durchfeuchtungen
  • Anschlussdetails an Fenster, Decken und Innenwände
  • vorhandener Putz und mögliche Hohlstellen
  • Nutzung der Räume und typische Luftfeuchtigkeit
  • geplante Leitungen, Steckdosen und Heizkörper
  • Zustand der Außenfassade und der wetterbeanspruchten Bauteile

Eine bauphysikalische Berechnung ersetzt dabei keine handwerkliche Bestandsaufnahme. Sie kann nur so gut sein wie die Angaben zum vorhandenen Wandaufbau. Wer unbekannte Schichten einfach schätzt, erhält ein präzises Ergebnis für eine möglicherweise falsche Wand.

Der Taupunkt ist kein Dämon im Mauerwerk. Er wird erst dann zum Problem, wenn Feuchtigkeit keinen kontrollierten Weg zurück aus dem Aufbau findet.

Gefahrenquelle Konvektion: Warum die vollflächige Verklebung entscheidend ist

Bei einer Innendämmung wird häufig über Diffusion gesprochen. In der Praxis ist Konvektion mindestens genauso wichtig. Gemeint ist der Transport feuchtwarmer Raumluft durch Undichtigkeiten und Hohlräume. Diese Luft gelangt hinter die Dämmung, kühlt an der Außenwand ab und gibt dort Feuchtigkeit ab.

Genau deshalb sind punktuelle Klebungen riskant. Werden Dämmplatten nur an einzelnen Punkten oder in Klecksen angesetzt, bleiben dazwischen Hohlräume. Diese Hohlräume sind keine harmlose Montageungenauigkeit. Sie können Luftbewegungen aufnehmen und feuchtwarme Raumluft an die kalte Grenzschicht führen.

Dort entsteht Kondensat, oft lange unbemerkt. Die Raumseite kann zunächst sauber aussehen. Der Putz fühlt sich vielleicht sogar wärmer an. Hinter der Platte arbeitet die Feuchtigkeit trotzdem weiter. Schimmelbildung nach der Sanierung ist dann kein rätselhaftes Pech, sondern das Ergebnis eines nicht geschlossenen Systems.

Die vollflächige Verklebung erfüllt daher zwei Aufgaben:

1. Sie stellt den thermischen Kontakt zwischen Dämmplatte und Wand her.

2. Sie reduziert Hohlräume, in denen feuchte Raumluft zirkulieren kann.

Der Untergrund muss dafür ausreichend eben, tragfähig und sauber sein. Unebenheiten werden nicht einfach mit mehr Kleber zugeschmiert. Große Hohlräume hinter einer Platte lassen sich so nicht zuverlässig beherrschen. Je nach System sind Ausgleichsputz, Untergrundvorbereitung oder eine andere Konstruktion erforderlich.

Anschlüsse sind keine Detailkosmetik

Auf der geraden Wandfläche sieht eine Innendämmung schnell überzeugend aus. Schäden entstehen aber gern dort, wo die Fläche endet:

  • an Fensterlaibungen und Fensterstürzen
  • an angrenzenden Innenwänden
  • an Decken und Fußböden
  • hinter Heizkörpern
  • an Installationsschächten
  • an Steckdosen und Rohrdurchführungen
  • an auskragenden Bauteilen und Stützen

Bleibt an diesen Stellen eine schmale kalte Zone, kann die Oberflächentemperatur dort deutlich niedriger sein als auf der gedämmten Wand. Das erhöht das Risiko für Tauwasser und Schimmel. Besonders die Fensterlaibung wird bei einer Innendämmung gern vergessen. Der Raum erhält dann eine warme Wandfläche und daneben eine kalte, schmale Problemzone. Bauphysik arbeitet auch auf zehn Zentimetern.

Bei einer luftdichten Konstruktion mit Dampfbremse müssen sämtliche Anschlüsse dauerhaft dicht ausgeführt werden. Ein kleiner Schnitt durch die Bahn, eine schlecht angeschlossene Steckdose oder ein unzureichend verklebter Rand kann die Funktion des gesamten Aufbaus beeinträchtigen. Diese Systeme sind nicht grundsätzlich falsch. Sie verzeihen nur deutlich weniger.

Kapillaraktive Systeme als Schutzschild gegen Feuchtigkeit

Kapillaraktive und diffusionsoffene Dämmsysteme verfolgen einen anderen Ansatz. Sie nehmen anfallendes Kondensat im Material auf und transportieren die Feuchtigkeit durch Kapillarwirkung wieder in Richtung Raumseite. Dort kann sie unter geeigneten Bedingungen verdunsten.

Das bedeutet nicht, dass eine kapillaraktive Dämmung jede Feuchtebelastung wegzaubert. Auch solche Systeme benötigen einen passenden Wandaufbau, einen trockenen Untergrund und eine saubere Ausführung. Sie bieten aber einen kontrollierten Umgang mit Feuchtigkeit, anstatt sie hinter einer nahezu geschlossenen Schicht einzusperren.

Calciumsilikatplatten werden deshalb häufig bei der Innendämmung und bei der Sanierung schimmelgefährdeter Außenwände eingesetzt. Ihr hoher basischer pH-Wert von über 10 hemmt das Wachstum von Schimmelpilzen auf natürliche Weise. Dazu kommt die Fähigkeit des Materials, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben.

Die typische Plattenstärke liegt bei solchen Systemen etwa zwischen 2 und 6 Zentimetern. Der Wärmeleitwert ist mit λ = 0,065 bis 0,1 W/mK höher als bei vielen leistungsfähigeren Dämmstoffen. Das heißt: Für denselben Wärmeschutz kann eine größere oder anders geplante Schicht erforderlich sein. Dafür steht nicht allein der maximale Dämmwert im Vordergrund, sondern das Feuchtemanagement des gesamten Aufbaus.

Mineralschaumplatten erreichen meist einen niedrigeren Wärmeleitwert von etwa λ = 0,04 bis 0,045 W/mK. Typische Plattenstärken liegen ungefähr zwischen 6 und 12 Zentimetern. Auch Mineralschaum kann als kapillaraktives, diffusionsoffenes System ausgeführt werden. Die größere Schichtdicke muss allerdings zu Fensteranschlüssen, Raumgeometrie und vorhandenen Details passen.

Calciumsilikat und Mineralschaum im praktischen Vergleich

ParameterCalciumsilikatMineralschaum
Wärmeleitfähigkeitetwa λ = 0,065 bis 0,1 W/mKetwa λ = 0,04 bis 0,045 W/mK
Typische Plattenstärkeetwa 2 bis 6 cmetwa 6 bis 12 cm
Feuchtemanagementkapillaraktiv und diffusionsoffenje nach System kapillaraktiv und diffusionsoffen
Verhalten gegenüber Schimmelhoher basischer pH-Wert, über 10, hemmt Wachstumabhängig vom konkreten System und Aufbau
Typischer Vorteilgutes Feuchtemanagement bei schimmelgefährdeten Innenflächenhöherer Wärmeschutz bei größerer Schichtdicke
Typische PlanungsfrageReicht der Wärmeschutz für die Außenwand?Passen Schichtdicke und Anschlüsse in den Bestand?

Die Tabelle ersetzt keine Planung. Sie zeigt aber, warum die Frage „Welcher Dämmstoff ist der beste?“ in dieser Form zu kurz greift. Ein Material kann auf dem Datenblatt hervorragend aussehen und im vorhandenen Altbau trotzdem nicht funktionieren.

Bei Calciumsilikat ist die vergleichsweise geringere Dämmwirkung zu beachten. Die Oberfläche wird dennoch wärmer, und das System kann Feuchte kontrolliert abführen. Bei Mineralschaum ist die Wärmedämmung stärker, dafür müssen die größeren Plattendicken und die Anschlussdetails sauber gelöst werden.

Beide Systeme verlangen eine vollflächige Verklebung. Kapillaraktiv bedeutet nicht, dass Hohlräume hinter der Platte plötzlich unproblematisch werden. Die Physik lässt sich auch mit einem guten Dämmstoff nicht überreden.

Dampfbremse bei Innendämmung: dicht ist dicht

Systeme mit Mineralwolle oder vergleichbaren Dämmstoffen können in der Innendämmung funktionieren. Sie sind nicht grundsätzlich verboten und nicht automatisch schadenträchtig. Ihr Risiko liegt in der Ausführung der Dampfbremse und der Luftdichtheit.

Eine Dampfbremse soll den Feuchteeintrag aus der Raumluft in den Wandaufbau begrenzen. Dafür muss sie durchgängig und dauerhaft luftdicht angeschlossen sein. Das betrifft nicht nur die Fläche, sondern jede einzelne Durchdringung.

In der Sanierung ist das anspruchsvoll. Steckdosen werden versetzt, Leitungen nachträglich verlegt, Heizkörper befestigt, Schränke montiert. Jede Installation kann die Ebene beschädigen. Wird eine Öffnung nicht fachgerecht geschlossen, gelangt feuchtwarme Raumluft in die Konstruktion. Dort kann sie an der ausgekühlten Außenwand kondensieren.

Das Schadensrisiko entsteht also nicht erst durch ein sichtbar nasses Bauteil. Es beginnt häufig mit einer kleinen Undichtigkeit, die nach der Fertigstellung niemand mehr sieht. Der Aufbau bleibt geschlossen, die Durchfeuchtung bleibt unbemerkt. Wenn sich schließlich Geruch, Verfärbung oder abplatzender Belag zeigen, ist die Ursache oft älter als das sichtbare Problem.

Wann die luftdichte Ebene besondere Aufmerksamkeit braucht

Eine Dampfbremse bei Innendämmung verlangt eine klare Installationsplanung. Leitungen dürfen nicht kreuz und quer durch die luftdichte Ebene geführt werden. Für Steckdosen und Schalter braucht es geeignete Lösungen. Anschlüsse an Fenster, Boden, Decke und angrenzende Bauteile müssen mit passenden Klebemitteln und Dichtstoffen ausgeführt werden.

Auch die Reihenfolge der Arbeiten entscheidet:

1. Der Bestand wird auf Feuchte, Tragfähigkeit und Schadstellen geprüft.

2. Außenliegende Ursachen wie Risse, undichte Anschlüsse oder Fassadenmängel werden behoben.

3. Der Wandaufbau wird bauphysikalisch bewertet.

4. Die Lage der luftdichten Ebene und der Installationen wird festgelegt.

5. Die Dämmung wird entsprechend dem System montiert.

6. Anschlüsse und Durchdringungen werden kontrolliert, bevor die Oberfläche geschlossen wird.

7. Erst danach folgen Putz, Anstrich und die abschließende Innenmontage.

Der häufigste Fehler ist nicht fehlendes Fachwissen über den Dämmstoff. Es ist die Annahme, dass die Installationen später schon irgendwie hineinpassen. Dieses „irgendwie“ ist auf der Baustelle ein zuverlässiger Vorläufer für Nacharbeit.

Eine Dampfbremse ist nur so gut wie ihr schwächster Anschluss. Der liegt selten mitten auf der Wand und fast immer dort, wo später noch eine Leitung durch soll.

Feuchteschutz bei Innendämmung beginnt vor der Montage

Wer das Schimmelrisiko einer Innendämmung im Altbau vermeiden will, muss die Feuchtequellen trennen. Kondensat aus der Raumluft ist nur eine Möglichkeit. Feuchte kann auch von außen, aus dem Erdreich, aus Leckagen oder aus dem Innenraum kommen.

In Küchen, Bädern und schlecht belüfteten Schlafräumen entsteht regelmäßig mehr Wasserdampf. Das ist zunächst normal. Problematisch wird die Kombination aus hoher Luftfeuchtigkeit und kalten Oberflächen. Nach der Innendämmung ändern sich die Oberflächentemperaturen und die Austrocknungswege. Das Lüftungs- und Heizverhalten muss zum neuen Aufbau passen.

Dabei geht es nicht um hektisches Dauerlüften bei weit geöffnetem Fenster. Entscheidend sind regelmäßiger Luftaustausch, ausreichendes Beheizen und das Vermeiden dauerhaft feuchter Raumzustände. Wäsche trocknet nicht kostenlos im Raum. Sie bezahlt ihre Rechnung später an der kältesten Stelle der Wohnung.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Räume mit Möbeln an Außenwänden. Große Schränke, dicht an die Wand geschobene Küchenzeilen oder textile Beläge können die Luftzirkulation zusätzlich behindern. Nach einer Innendämmung sollte die Möblierung nicht automatisch so bleiben wie vorher. Die gedämmte Fläche braucht zwar weniger Wärme aus dem Raum, Anschlüsse und Randbereiche bleiben aber empfindlich.

Schimmel nach der Sanierung richtig einordnen

Tritt nach einer Innendämmung Schimmel auf, reicht es nicht, die sichtbare Stelle zu reinigen und neu zu streichen. Zuerst muss die Ursache eingegrenzt werden:

  • Liegt der Befall direkt an einem Anschluss oder in einer Ecke?
  • Gibt es einen Hohlraum hinter der Dämmplatte?
  • Wurde punktuell geklebt?
  • Ist eine Dampfbremse beschädigt?
  • Gibt es Hinweise auf Schlagregen oder eine Leckage?
  • Hat sich die Nutzung des Raumes verändert?
  • Wird die Wand durch Möbel oder Vorhänge abgeschirmt?
  • Ist die betroffene Fläche deutlich kälter als der übrige Wandbereich?

Die Antwort entscheidet über die Sanierung. Ein oberflächlicher Befall durch ungünstige Raumluft ist anders zu behandeln als eine Durchfeuchtung innerhalb des Wandaufbaus. Bei einem verdeckten Schaden kann eine erneute Beschichtung die Situation sogar verschärfen.

Auch die Wahl der Farbe ist kein Ersatz für die Ursachenklärung. Eine sogenannte Schimmelfarbe macht aus einem feuchten Bauteil kein trockenes. Sie kann die Oberfläche verändern, aber nicht die Taupunktlage, die Konvektion oder eine undichte Außenwand.

Die typische Fehlannahme: Mehr Dämmung löst jedes Kälteproblem

Viele Eigentümer beginnen mit der Frage nach der maximalen Dämmleistung. Das ist verständlich, aber im Altbau nicht immer der beste Einstieg. Eine dickere Dämmplatte kann die Raumseite deutlich erwärmen. Gleichzeitig werden die dahinterliegenden Schichten kälter. Der Wandaufbau muss mit dieser Veränderung umgehen können.

Auch die Gebäudegeometrie setzt Grenzen. An Fensterlaibungen, Heizkörpernischen und Wandvorsprüngen stehen oft nur wenige Zentimeter zur Verfügung. Eine theoretisch optimale Schichtdicke kann praktisch zu Anschlüssen führen, die nicht mehr sauber ausführbar sind.

Bei einer Innendämmung zählt daher das Verhältnis aus:

  • gewünschtem Wärmeschutz
  • Feuchteverhalten des Materials
  • vorhandener Wandkonstruktion
  • Anschlussdetails
  • Ausführungsqualität
  • späterer Nutzung des Raumes

Die beste Lösung ist nicht automatisch die mit dem niedrigsten Wärmeleitwert. Sie ist diejenige, die im konkreten Altbau dauerhaft funktioniert und handwerklich kontrollierbar bleibt.

Was bei der Ausführung gern übersehen wird

Einige Mängel entstehen nicht durch die Grundentscheidung für eine Innendämmung, sondern durch schlechte Baustellenlogik. Der Untergrund wird nicht ausreichend vorbereitet. Platten werden zugeschnitten, aber an den Rändern nicht sauber angeschlossen. Kleber wird eingespart. Anschlussfugen werden mit irgendeinem Restmaterial geschlossen. Danach kommt Armierungsgewebe darüber, und der Schaden erhält eine ordentliche Oberfläche.

Das sieht zunächst nach Fortschritt aus. Es ist aber nur ein gut verpacktes Fragezeichen.

Bei der Abnahme sollte ich als Eigentümer nicht nur auf glatte Flächen achten. Entscheidend sind die unscheinbaren Stellen:

  • Liegen die Platten vollflächig und ohne relevante Hohlräume an?
  • Sind Randanschlüsse durchgängig ausgeführt?
  • Wurden Fensterlaibungen und Stürze in das System einbezogen?
  • Ist die luftdichte Ebene dokumentiert und vor dem Verschließen kontrolliert?
  • Sind Installationen so geplant, dass die Konstruktion nicht nachträglich beschädigt wird?
  • Wurde der Wandaufbau auf die vorhandene Außenwand abgestimmt?
  • Sind Putz und Anstrich für das gewählte System geeignet?

Gerade bei Sanierungen im bewohnten Bestand wird gern abschnittsweise gearbeitet. Das ist organisatorisch nachvollziehbar. Die bauphysikalische Logik darf dabei trotzdem nicht abschnittsweise ausfallen. Ein Wandanschluss bleibt ein Wandanschluss, auch wenn der nächste Raum erst drei Monate später bearbeitet wird.

Ein sinnvoller Entscheidungsweg für Eigentümer

Die Frage, wie sich das Innendämmung-Altbau-Schimmelrisiko vermeiden lässt, beginnt nicht mit dem Einkauf. Sie beginnt mit einer belastbaren Diagnose. Dabei sind keine komplizierten Werkzeuge wichtiger als eine saubere Reihenfolge.

Ich gehe bei problematischen Außenwänden gedanklich immer in dieser Reihenfolge vor:

1. Schadensbild aufnehmen: Wo ist die Wand kalt, feucht oder bereits befallen? Ecken, Laibungen und Deckenanschlüsse gesondert betrachten.

2. Feuchtequelle trennen: Kommt die Feuchtigkeit aus der Raumluft, von außen, aus dem Erdreich oder aus einer Leitung?

3. Bestand verstehen: Mauerwerk, Putz, Beschichtungen und vorhandene Schichten nicht einfach voraussetzen.

4. Aufbau planen: Taupunktlage, Diffusion, Kapillarwirkung und Luftdichtheit gemeinsam bewerten.

5. Material passend wählen: Nicht nur Wärmeleitfähigkeit, sondern auch Feuchteverhalten und Anschlussfähigkeit betrachten.

6. Montage kontrollieren: Vollflächige Verklebung, Randbereiche und Durchdringungen sind keine Nebensachen.

7. Nutzung anpassen: Heizen, Lüften und Möblierung müssen zur neuen Oberflächen- und Feuchtesituation passen.

Eine professionelle Planung muss dabei nicht aus einem Aktenordner voller Fremdwörter bestehen. Sie muss verständlich erklären, wo Feuchtigkeit entstehen kann und welchen Weg sie aus dem Aufbau nimmt. Wenn niemand diese Frage beantworten kann, ist die Ausführung noch nicht reif.

Für die Auswahl und Bewertung einer Sanierung hilft es außerdem, die energetische Maßnahme nicht isoliert zu betrachten. Fenstertausch, Dach, Außenfassade, Heizflächen und Lüftung verändern sich gegenseitig. Werden neue, dichte Fenster eingebaut, während die Außenwand kalt bleibt, kann sich das Raumklima an den Wandflächen anders entwickeln. Das Fenster ist dann nicht automatisch schuld. Es hat nur aufgehört, als unfreiwillige Lüftungsanlage zu arbeiten.

Mein Fazit zur Innendämmung im Altbau

Eine Innendämmung ist im Altbau kein grundsätzliches Risiko. Das Risiko entsteht durch einen ungeeigneten oder undichten Wandaufbau, durch Hohlräume hinter den Platten und durch eine Planung, die Anschlüsse als Kleinkram behandelt.

Kapillaraktive, diffusionsoffene Systeme können an schimmelgefährdeten Außenwänden Vorteile bieten, weil sie anfallende Feuchtigkeit aufnehmen und durch Kapillarwirkung wieder zur Raumseite transportieren. Calciumsilikat punktet zusätzlich mit seinem hohen basischen pH-Wert. Mineralschaum bietet bei größerer Schichtdicke einen niedrigeren Wärmeleitwert. Beide Materialien funktionieren aber nur als Teil eines abgestimmten Systems.

Dampfbremsen und Mineralwollekonstruktionen sind ebenfalls nicht pauschal falsch. Sie verlangen eine absolut luftdichte, fehlerfreie Ausführung. Jede Durchdringung zählt. Jede offene Klebestelle bleibt eine offene Klebestelle, auch wenn sie später unter Putz verschwindet.

Prüfen Sie zuerst die Wand. Dann den Feuchteweg. Dann die Anschlüsse. Erst danach kommt die Dämmplatte.

Wer diese Reihenfolge einhält, reduziert das Schimmelrisiko deutlich und erhält eine Sanierung, die nicht nur am Tag der Übergabe gut aussieht. Ein Altbau muss nicht perfekt sein. Er muss nur so behandelt werden, dass seine Schwächen nicht hinter einer neuen Oberfläche weiterarbeiten.

Häufige Fragen

Warum kann eine Innendämmung im Altbau Schimmel verursachen?
Durch die Innendämmung kühlt das bestehende Mauerwerk im Winter stärker aus. Feuchtwarme Raumluft kann an der kalten Grenzschicht kondensieren, besonders wenn Hohlräume, Undichtigkeiten oder ein ungeeigneter Wandaufbau vorhanden sind.
Muss die Außenwand vor einer Innendämmung trocken sein?
Ja, die Außenwand sollte vor der Ausführung trocken und intakt sein. Schlagregen, Risse, offene Fugen, aufsteigende Feuchte, Leckagen und undichte Fensteranschlüsse müssen vorher geklärt und behoben werden.
Warum müssen Innendämmplatten vollflächig verklebt werden?
Die vollflächige Verklebung stellt den thermischen Kontakt zwischen Dämmplatte und Wand her und reduziert Hohlräume. Bei punktueller Verklebung kann feuchtwarme Raumluft hinter die Dämmung gelangen und dort Kondensat bilden.
Sind Calciumsilikatplatten für die Innendämmung geeignet?
Calciumsilikatplatten werden häufig bei der Innendämmung und bei schimmelgefährdeten Außenwänden eingesetzt. Sie sind kapillaraktiv und diffusionsoffen, können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und haben einen basischen pH-Wert von über 10, der das Schimmelwachstum hemmt.
Sind Dampfbremse und Mineralwolle bei einer Innendämmung grundsätzlich falsch?
Nein, solche Konstruktionen sind nicht grundsätzlich falsch. Ihr Funktionieren hängt jedoch von einer durchgängig und dauerhaft luftdichten Dampfbremse sowie sorgfältig ausgeführten Anschlüssen und Durchdringungen ab.

Gereon Thielen