Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister
10. August 2026 · 14 Min. Lesezeit
Innendämmung im Altbau: Warum Schimmel kein Schicksal ist
Ein Vier-Personen-Haushalt gibt täglich etwa 6 bis 12 Liter Wasser an die Raumluft ab. Das ist kein Rechenfehler, sondern normaler Wohnbetrieb: Duschen, Kochen, Wäsche, Atmen.

Wenn diese Feuchte auf kalte Wandoberflächen trifft, kann die relative Feuchte direkt am Bauteil auf 70 bis 80 Prozent steigen. Für Schimmel reicht das bereits aus – sichtbares Kondenswasser braucht es nicht.
Die häufigste Fehlannahme lautet deshalb: „Innendämmung macht die Wand feucht und führt zwangsläufig zu Schimmel.“ Fakt ist: Eine fachgerecht geplante Innendämmung kann die raumseitige Wandoberfläche erwärmen und das Schimmelrisiko sogar senken. Der Haken steckt, wie so oft am Bau, nicht im Werbeprospekt, sondern in den Anschlüssen, der Feuchtebilanz und der Ausführung.
Wer bei einem Altbau die Fassade nicht verändern darf oder kann, kommt an der Dämmung von innen oft nicht vorbei. Denkmalgeschützte Fassaden, enge Grenzbebauung oder eine bereits fertiggestellte Außenanlage setzen der Außendämmung Grenzen. Dann muss die Konstruktion bauphysikalisch sauber gelöst werden. Mit Kleber allein ist es nicht getan. Ein Eimer Farbe zum Schluss macht aus einem fehlerhaften Aufbau ebenfalls kein Sanierungskonzept.
Was eine Innendämmung im Altbau tatsächlich verändert
Bei einer ungedämmten Außenwand liegt ein erheblicher Teil des Temperaturgefälles innerhalb des Mauerwerks. Die Wand kann nach außen und innen Wärme abgeben. Wird auf der Raumseite eine Dämmschicht angebracht, bleibt das Mauerwerk hinter dieser Schicht deutlich kälter. Die Wärme bleibt stärker im Raum – genau das ist der gewünschte Effekt.
Gleichzeitig verschiebt sich aber der Taupunkt beziehungsweise der Bereich, in dem warme, feuchte Luft auf kalte Bauteilzonen trifft. Diese Taupunktverschiebung bei Innendämmung ist nicht automatisch ein Schaden. Sie wird erst dann problematisch, wenn Feuchte in einer Konstruktion anfällt, dort nicht wieder austrocknen kann oder durch Luftströmungen an die falsche Stelle gelangt.
Die Innenseite der Wand wird bei einem funktionierenden Aufbau wärmer. Das ist für den Wohnraum zunächst gut. Kalte Oberflächen hinter Möbeln, in Raumecken oder an Fensterlaibungen bleiben jedoch die Schwachstellen. Außerdem wird die Außenwand hinter der Dämmung weniger von der Raumwärme erreicht. Ihre Austrocknung nach innen nimmt ab. Genau deshalb darf man den Wandaufbau nicht isoliert betrachten.
Prüfen Sie zuerst die bestehende Wand. Nicht die Dämmstoffplatte ist der Anfang der Planung, sondern das Bauteil, auf dem sie später sitzen soll.
Dazu gehören unter anderem:
- Gibt es aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich?
- Dringt Schlagregen durch Risse, offenen Fugenmörtel oder eine geschädigte Fassade ein?
- Sind Rohrleitungen, Fallrohre, Fensteranschlüsse oder Dachdetails undicht?
- Bestehen Salzausblühungen, abplatzender Putz oder dauerhaft feuchte Wandbereiche?
- Wie ist der Wandaufbau tatsächlich beschaffen – Vollziegel, Mischmauerwerk, Naturstein, Fachwerk oder eine nachträglich veränderte Konstruktion?
- Gibt es Holzbalkenköpfe, Heizkörpernischen, Rollladenkästen oder andere Bauteile, die in die Außenwand hineinragen?
Eine Innendämmung auf ein feuchtes Mauerwerk zu setzen, ist keine Sanierung. Es ist das kontrollierte Verpacken eines Problems.
Innen- oder Außendämmung? Der bauliche Unterschied ist entscheidend
Aus bauphysikalischer Sicht ist eine Außendämmung meist die robustere Lösung. Sie hält die tragende Wand wärmer, reduziert Wärmebrücken über die Fläche und schützt den Wandquerschnitt besser vor starken Temperaturwechseln. Das Umweltbundesamt bezeichnet sie deshalb als optimale Variante, sofern sie baulich und gestalterisch möglich ist.
Die Innendämmung bleibt dennoch ein sinnvolles Werkzeug. Sie wird dort eingesetzt, wo eine Außendämmung nicht infrage kommt. Der Preis dafür ist eine anspruchsvollere Detailplanung.
| Parameter | Außendämmung | Innendämmung |
|---|---|---|
| Temperatur der Außenwand | Die tragende Wand bleibt vergleichsweise warm | Die Wand hinter der Dämmung wird deutlich kälter |
| Wärmebrücken | Über die Fläche meist besser beherrschbar | Anschlüsse und Durchdringungen sind besonders kritisch |
| Fassadenbild | Wird verändert | Bleibt weitgehend erhalten |
| Wohnfläche | Bleibt erhalten | Raumfläche und Laibungstiefen verändern sich |
| Austrocknung | Häufig in beide Richtungen günstiger | Austrocknung nach innen kann eingeschränkt werden |
| Bauablauf | Arbeiten außen, oft abhängig von Gerüst und Wetter | Raumweise Ausführung möglich, aber mit Eingriffen in den Innenausbau |
| Typische Schwachstellen | Sockel, Fensteranschlüsse, Balkonplatten | Geschossdecken, Innenwände, Fensterlaibungen, Rollladenkästen und Ecken |
Diese Gegenüberstellung zeigt auch, warum die Frage „Welche Dämmung ist die beste?“ zu kurz greift. Entscheidend ist nicht allein die Wärmeleitfähigkeit eines Materials. Klassische Dämmstoffe liegen typischerweise bei etwa 0,030 bis 0,040 W/(m·K). Das sagt jedoch noch nicht, ob der Aufbau in einer konkreten Altbauwand funktioniert.
Ein mineralischer, kapillaraktiver Aufbau kann unter bestimmten Bedingungen anders mit Feuchte umgehen als eine Konstruktion mit dampfbremsenden Schichten. Ob eine Dampfbremse erforderlich, sinnvoll oder falsch ist, hängt vom gesamten Wandaufbau ab. Wer hier nach einem pauschalen Rezept sucht, findet meistens nur ein neues Kostengrab.
Eine Innendämmung ist kein Produkt, das man an die Wand klebt. Sie ist eine bauphysikalische Änderung des gesamten Bauteils.
Wärmebrücken: Dort beginnt der Ärger, nicht mitten auf der Wand
Auf der freien Wandfläche lässt sich eine Innendämmung vergleichsweise gut planen. Die kritischen Stellen sitzen an den Rändern. Wärmebrücken entstehen dort, wo die Dämmebene unterbrochen wird oder geometrisch ausweicht. Das betrifft im Altbau mehr Details, als viele Eigentümer zunächst vermuten.
Besonders aufmerksam prüfe ich:
- Anschlüsse an Geschossdecken und Innenwände
- Fensterlaibungen und Fensterstürze
- Rollladenkästen
- Heizkörpernischen
- Außenecken und Gebäudekanten
- Balkonplatten und auskragende Bauteile
- Innenwände, die in die Außenwand einbinden
- Installationen, Steckdosen und spätere Dübellöcher
An einer Wärmebrücke sinkt die Oberflächentemperatur. Die Raumluft kann dort weiterhin 20 bis 22 Grad warm sein, während die Oberfläche deutlich kälter bleibt. Entscheidend ist nicht die durchschnittliche Raumtemperatur, sondern die Situation direkt an diesem Bauteil.
Das erklärt auch, warum eine Wohnung trotz einer scheinbar normalen Luftfeuchte von 50 oder 60 Prozent an einer Ecke Schimmel zeigen kann. Relative Luftfeuchte ist immer temperaturabhängig. Kühlt die Luft an einer kalten Oberfläche ab, steigt ihre relative Feuchte. Der Raumluftwert am Hygrometer in der Raummitte beschreibt also nicht automatisch das Klima in der Fensterecke hinter dem Schrank.
Eine Wärmebildkamera kann bei geeigneten Temperaturbedingungen Hinweise auf Wärmebrücken liefern. Sie ersetzt jedoch keine Planung. Ein farbiges Bild mit blauen Flecken ist noch keine Schadensdiagnose. Für eine belastbare Beurteilung müssen Außen- und Innentemperatur, Wetterlage, Bauteilaufbau und Oberflächenzustand zusammen betrachtet werden.
Bei Fenstern ist die Laibung besonders heikel. Wird nur die große Wandfläche gedämmt, bleibt der Bereich neben dem Rahmen oft kalt. Die Dämmebene muss an das Fensterdetail herangeführt werden. Dafür kann eine dünnere, speziell geplante Laibungsdämmung erforderlich sein. Das kostet ein paar Zentimeter. Schimmel kostet später deutlich mehr – und bringt zusätzlich den Innenausbau durcheinander.
Anschlüsse nicht nach Gefühl ausführen
Eine häufige Ausführung sieht so aus: Dämmplatten werden auf der Fläche befestigt, an den Rändern bleiben kleine Hohlräume, und an schwierigen Details wird „später irgendwie angeschlossen“. Genau dieses „später“ produziert Hinterströmung und kalte Zonen.
Die Dämmebene muss an den relevanten Anschlüssen durchgängig geplant werden. Innenwände dürfen nicht einfach als sichtbare Linien enden, während dahinter die kalte Außenwand ungeschützt bleibt. Auch Deckenanschlüsse benötigen eine Lösung, die zur Konstruktion passt. Bei historischen Gebäuden kommen zusätzlich Holzbalken, unregelmäßiges Mauerwerk und wechselnde Materialschichten hinzu.
Die richtige Detailplanung ist nicht übertrieben. Sie ist der Unterschied zwischen einer energetischen Verbesserung und einer verdeckten Feuchtebaustelle.
Hinterströmung: Der unsichtbare Fehler hinter der Platte
Warme Raumluft enthält Feuchte. Gelangt diese Luft hinter eine Innendämmung, kühlt sie an der kalten Bestandswand ab. Dort kann Kondensation entstehen. Das Problem ist nicht immer sofort sichtbar, weil die Dämmplatte die Wand verdeckt. Der Schimmel wächst dann nicht dort, wo der Eigentümer ihn erwartet, sondern hinter der Bekleidung.
Eine vollflächige Verklebung der Dämmstoffplatten ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Ausführung. Punktuelle Kleberbatzen mit verbleibenden Hohlräumen schaffen Luftwege. Das Verfahren mag bei manchen Arbeiten schnell aussehen. Bauphysikalisch ist es eine Einladung an die feuchte Raumluft.
Die Oberfläche des Untergrunds muss ausreichend eben, tragfähig und trocken sein. Unebenheiten werden nicht durch großzügige Hohlräume „ausgeglichen“. Sie müssen fachgerecht bearbeitet werden. Anschließend ist die Dämmung so anzusetzen, dass keine warme Raumluft hinter die Platten gelangen kann.
Auch nach der Montage ist die Dämmschicht nicht beliebig belastbar. Steckdosen, Wandlampen, Bilder und Dübel erzeugen Durchdringungen. Nachträgliche Beschädigungen können die Luftdichtheit des Aufbaus stören. Das heißt nicht, dass ein Bild an der Wand grundsätzlich verboten ist. Es heißt, dass Befestigungen geplant und für das jeweilige System geeignet sein müssen.
Bei einer Innendämmung zählt jeder unnötige Hohlraum. Der klassische Satz „Das sieht man später nicht“ ist im Gebäudebestand selten ein Qualitätsmerkmal.
Schimmel sitzt nicht immer auf der Wand. Manchmal sitzt der Fehler in der Luftschicht dahinter – und wartet dort geduldig auf die nächste Heizperiode.
Feuchte im Mauerwerk zuerst klären
Eine Innendämmung darf keine Feuchtesperre für bereits durchnässtes Mauerwerk werden. Das Umweltbundesamt nennt fehlende aufsteigende Feuchtigkeit als zentrale Voraussetzung. Auch seitlich eindringende Feuchte durch Schlagregen muss ausgeschlossen oder behoben werden.
Dabei reicht es nicht, die Wand einmal mit einem Feuchtemessgerät abzutasten und daraus eine endgültige Diagnose abzuleiten. Je nach Messverfahren, Salzgehalt, Material und Wandaufbau können die Werte irreführend sein. Ein nasser Sockelbereich hat andere Ursachen als eine kalte Ecke im beheizten Obergeschoss.
Typische Ursachen müssen getrennt betrachtet werden:
Aufsteigende Feuchtigkeit
Feuchte kann aus dem Erdreich in das Mauerwerk gelangen, wenn eine horizontale Abdichtung fehlt, beschädigt ist oder nicht wirksam ausgeführt wurde. Salze können dabei zusätzlich den Putz schädigen und Feuchte binden. Eine Innendämmung beseitigt diese Ursache nicht. Sie verdeckt sie höchstens für eine Weile.
Seitlich eindringende Feuchtigkeit
Rissige Fassaden, offene Fugen, defekte Fensteranschlüsse oder undichte Fallrohre führen Wasser von außen in die Konstruktion. Besonders bei starkem Schlagregen kann eine Wand trotz intakter Innenoberfläche deutlich belastet werden. Hier beginnt die Arbeit an der Gebäudehülle, nicht mit einer Dämmplatte im Wohnzimmer.
Kondensationsfeuchte
Sie entsteht, wenn warme, feuchte Luft auf kalte Oberflächen oder Bauteilzonen trifft. Diese Feuchte kann durch eine geeignete Innendämmung reduziert werden, wenn die raumseitige Oberfläche wärmer wird. Sie kann aber auch verschärft werden, wenn Wärmebrücken, Fugen oder Hinterströmungen falsch gelöst sind.
Nutzungsbedingte Feuchte
Wohnfeuchte ist real. Kochen ohne Deckel, Wäschetrocknen im Raum und dauerhaft gekippte Fenster verändern den Feuchtehaushalt. Ein Vier-Personen-Haushalt kann täglich 6 bis 12 Liter Wasser in die Raumluft abgeben. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Es darf aber auch nicht als Ausrede dienen, wenn eine Fassade undicht oder ein Wandaufbau falsch geplant ist.
Richtiges Lüften hilft gegen normale Raumluftfeuchte. Es repariert keine Leckage, keine fehlende Abdichtung und keine Wärmebrücke. Wer einem Eigentümer bei nasser Außenwand nur „mehr lüften“ empfiehlt, hat die Diagnose zu früh beendet.
Die Berechnung gehört vor die Beauftragung
Für eine belastbare Innendämmung reicht die Angabe „Altbau, 36 Zentimeter Ziegel“ nicht aus. Wanddicke und Baujahr beschreiben den Aufbau nur grob. Mörtel, Putz, Hohlräume, Feuchte, Schlagregen, Innenbekleidungen und Anschlüsse beeinflussen das Ergebnis.
Das Umweltbundesamt empfiehlt bei einer Innenwanddämmung, den U-Wert der Wand auf unter 0,35 W/(m²K) zu reduzieren und eine Fachplanung einschließlich hygrothermischer Simulation zu beauftragen. Dieser Wert ist eine Zielgröße beziehungsweise Empfehlung, keine pauschale gesetzliche Pflicht für jede Innenwand und jeden Altbau.
Die aktuell bei DIN Media geführte DIN 4108-3:2024-03 behandelt den klimabedingten Feuchteschutz, darunter Anforderungen und Berechnungsverfahren. Das WTA-Merkblatt 6-4-16/D beschreibt die nachträgliche Innendämmung als besondere Planungsaufgabe. Im Mittelpunkt stehen Dampfdiffusion, mögliche Kondensation an der früheren Wandinnenoberfläche und das verringerte Austrocknungspotenzial der Außenwand.
In der Praxis sollte die Planung mindestens folgende Fragen beantworten:
1. Wie sieht der vorhandene Wandaufbau aus?
Annahmen aus Baujahr oder Immobilienanzeige reichen nicht. Bei unklaren Konstruktionen sind Sondagen oder andere geeignete Untersuchungen notwendig.
2. Wie wird die Feuchte transportiert?
Es geht nicht nur um Wasserdampf. Auch kapillar aufgenommene Feuchte, Schlagregen und aufsteigendes Wasser müssen in die Betrachtung einfließen.
3. Wo liegen die Wärmebrücken?
Decken, Innenwände, Fenster, Heizkörpernischen und Rollladenkästen benötigen eigene Details. Eine Berechnung nur für die ebene Wandfläche ist unvollständig.
4. Kann die Konstruktion wieder austrocknen?
Eine Wand, die nach einer Durchfeuchtung nur noch sehr langsam trocknet, verzeiht Ausführungsfehler deutlich schlechter.
5. Wie wird die Luftdichtheit hergestellt?
Fugen, Randanschlüsse und Durchdringungen müssen zum gewählten System passen. Bei kapillaraktiven Konstruktionen gelten andere Randbedingungen als bei Aufbauten mit Dampfbremse.
6. Was passiert an den Installationen?
Steckdosen, Leitungen und Heizkörper dürfen nicht erst nach der Montage zum Improvisationsfeld werden.
Bei kritischen Konstruktionen sind gekoppelte Wärme- und Feuchtesimulationen sinnvoll oder erforderlich. Das betrifft etwa historische Bauweisen, Natursteinmauerwerk, Fachwerk, Außenwände mit Holzbalkenköpfen oder stark schlagregenbelastete Fassaden. Eine allgemeingültige Dämmstoffdicke lässt sich daraus nicht ableiten. Wer eine Zahl für jeden Altbau verspricht, verkauft Sicherheit aus dem Katalog.
Raumklima: Der Eigentümer kann die Bauphysik nicht komplett delegieren
Auch ein sauber geplanter Aufbau braucht ein passendes Raumklima. Die empfohlene relative Luftfeuchte in Wohnräumen liegt grundsätzlich zwischen 40 und 60 Prozent. In schlecht gedämmten Wohnungen kann im Winter ein Wert unter 50 Prozent als praktikable Faustregel sinnvoll sein. Über längere Zeit mehr als 60 Prozent erhöhen das Schimmelrisiko – abhängig vom Gebäudetyp und von den Oberflächentemperaturen.
Ein Hygrometer gehört deshalb in Räume mit erhöhtem Feuchteaufkommen, nicht nur dekorativ auf das Regal. Entscheidend ist der Verlauf über den Tag und über mehrere Wochen. Ein kurzer Wert von 65 Prozent nach dem Duschen ist etwas anderes als dauerhaft 65 Prozent in einem schlecht beheizten Schlafzimmer.
Was im Alltag funktioniert
- Nach dem Duschen Feuchte direkt abführen, statt sie durch die gesamte Wohnung wandern zu lassen.
- Beim Kochen die entstehende Feuchte nach außen abführen und Türen zu kühleren Räumen geschlossen halten.
- Wäsche möglichst nicht in schlecht beheizten Räumen trocknen.
- Räume ausreichend beheizen, damit Oberflächen nicht dauerhaft auskühlen.
- Möbel an Außenwänden mit Abstand aufstellen, insbesondere bei ohnehin kritischen Ecken.
- Fenster nicht über Stunden kippen, wenn dadurch Laibungen und Wandbereiche auskühlen. Stoß- oder Querlüften ist meist wirksamer.
- Luftfeuchte nicht nur in der Raummitte messen, wenn bereits kalte Stellen oder Geruch auffallen.
Das ist keine Schuldzuweisung an die Bewohner. Ein Gebäude muss im normalen Wohnbetrieb funktionieren. Trotzdem bleibt der Nutzer Teil des Feuchtehaushalts. Wer eine frisch gedämmte Wand mit dauerhaft hoher Luftfeuchte belastet, darf nicht erwarten, dass die Konstruktion jede Betriebsweise klaglos ausgleicht.
Typische Fehler bei der Innendämmung
Die meisten Schadensfälle entstehen nicht durch einen einzelnen spektakulären Fehler, sondern durch eine Kette kleiner Nachlässigkeiten.
Die Dämmung wird auf ungeprüften Untergrund gesetzt
Abblätternder Putz, Salze, feuchte Stellen und lose Anstriche werden überarbeitet oder einfach überdeckt. Die Feuchte bleibt. Später heißt es, die Innendämmung sei schuld. Tatsächlich wurde die Bestandswand nie saniert.
Es wird nur die große Wandfläche betrachtet
Die Fläche sieht nachher ordentlich aus. Fensterlaibung, Deckenrand und Innenwandanschluss bleiben kalt. Der erste schwarze Punkt erscheint dann genau dort, wo die Planung aufgehört hat.
Punktweise Verklebung erzeugt Hohlräume
Die Platten halten mechanisch, aber warme Raumluft kann hinter die Dämmschicht gelangen. Die Hinterströmung bleibt unsichtbar und kann Tauwasser an der kalten Bestandswand verursachen.
Die Dämmstoffdicke wird aus dem Bauch gewählt
„Je dicker, desto besser“ ist bei Innendämmungen kein ausreichendes Konzept. Mehr Dämmung verändert Temperaturverläufe, Austrocknung und Anschlussdetails. Die passende Dicke ergibt sich aus Wandaufbau, Material, Klima und Feuchtenachweis.
Dampfbremse als Universalheilmittel
Eine Dampfbremse kann in bestimmten Aufbauten richtig sein. Sie ist aber weder immer notwendig noch immer überflüssig. Entscheidend ist, wie der gesamte Aufbau mit Feuchte umgeht und ob die Schicht dauerhaft luftdicht angeschlossen werden kann.
Nach der Dämmung wird die Wand beliebig durchbohrt
Jede Steckdose, jede Leitung und jeder Dübel verändert den Aufbau. Das lässt sich planen. Ungeplante Eingriffe in die Dämmebene sind dagegen eine unnötige Schwachstelle.
Schimmel wird nur oberflächlich behandelt
Sichtbarer Befall wird abgewischt, überstrichen und aus dem Gedächtnis gestrichen. Wenn die Ursache in einer Wärmebrücke, Leckage oder feuchten Konstruktion liegt, kommt der Schimmel zurück. Farbe ist kein Feuchtemanagement.
Woran eine brauchbare Planung zu erkennen ist
Ein seriöses Konzept beginnt mit der Bestandsaufnahme und endet nicht mit der Materiallieferung. Vor der Beauftragung sollten Eigentümer nachvollziehen können, welche Wand untersucht wurde, welche Randbedingungen gelten und wie die kritischen Details ausgeführt werden.
Eine belastbare Planung enthält typischerweise:
- eine Beschreibung des vorhandenen Wandaufbaus,
- eine Bewertung von aufsteigender und seitlich eindringender Feuchte,
- Angaben zur geplanten Dämmschicht und zum Innenaufbau,
- Nachweise zum Wärme- und Feuchteschutz,
- Detailzeichnungen für Fenster, Decken, Innenwände und Ecken,
- eine Lösung für Steckdosen, Heizkörper und Leitungen,
- Vorgaben zur Untergrundvorbereitung und vollflächigen Verklebung,
- Hinweise zum Raumklima und zur späteren Nutzung,
- eine Kontrolle der Ausführung an den kritischen Anschlüssen.
Besonders wichtig: Die Berechnung muss zum tatsächlich geplanten Aufbau passen. Ein Nachweis für eine andere Dämmstoffart, eine andere Dicke oder eine andere Putzschicht hilft dem Gebäude ungefähr so viel wie ein fremder Bauplan auf der Baustelle. Papier ist geduldig. Die Wand leider nicht.
Mein Fazit aus der Praxis
Die Innendämmung bei Altbau und Schimmelgefahr ist kein Widerspruch. Sie kann die raumseitigen Oberflächen erwärmen und damit das Risiko von Schimmelbildung durch kalte Wandbereiche verringern. Sie kann aber auch neue Probleme erzeugen, wenn Feuchte, Wärmebrücken und Luftströmungen nicht sauber geplant werden.
Die Reihenfolge entscheidet:
1. Bestand untersuchen.
2. Feuchteursachen beseitigen.
3. Wandaufbau und Anschlüsse berechnen.
4. Wärmebrücken detailliert lösen.
5. Dämmplatten vollflächig und luftdicht zum System passend ausführen.
6. Installationen und spätere Befestigungen einplanen.
7. Raumklima nach der Sanierung beobachten.
Die Außendämmung bleibt bauphysikalisch oft die einfachere Variante. Wenn sie nicht möglich ist, ist die Innendämmung kein Notbehelf zweiter Klasse. Sie ist eine anspruchsvolle Sanierungsaufgabe mit klaren Regeln.
Fakt ist: Schimmel ist bei einer Innendämmung kein Schicksal. Er ist meistens ein Hinweis darauf, dass Feuchtequelle, Wärmebrücke, Luftdichtheit oder Nutzung nicht zusammenpassen. Wer diese Punkte vor der Montage klärt, erhält keine Wunderwand – aber eine Konstruktion, die ihren Zweck erfüllt und den Altbau nicht zum nächsten Kostengrab macht.