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Mehr Wohnwert durch professionelle Pflege.

Eine Kolumne von Gereon Thielen

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister

21. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Gartenpflege-Set im Härtetest: Meine Lehren aus der Praxis

0,8 Kilowatt. So viel mechanische Leistung bringt der Akku-KombiMotor Stihl KMA 80 R — das entspricht nach Herstellerangaben exakt dem Benzin-KombiMotor KM 56 RC-E. Auf dem Papier also Gleichstand zwischen Akku und Verbrenner.

Gartenpflege-Set im Härtetest: Meine Lehren aus der Praxis

Auf einem 1.200-Quadratmeter-Grundstück mit verwilderter Ligusterhecke sieht die Rechnung anders aus. Wer ein Gartenpflege-Set kauft, ohne vorher das eigene Grundstück zu kennen, kauft in den meisten Fällen zweimal.

Hier erscheinen Partnerangebote.

Woran liegt das? Die Hersteller machen es einem nicht leicht. Während die einen ein modulares Stecksystem propagieren, das mit Holzstielen und verzinkten Aufsätzen arbeitet, setzen die anderen auf kraftvolle Akku-Multitools mit bürstenlosen Motoren. Beide Seiten haben recht. Nur erzählt einem das niemand.

Modulare Systeme: Ein „Set" ist kein Werkzeugkoffer

Bevor wir über Geräte reden, müssen wir über eine Grundsatzfrage sprechen. Was ist ein Gartenpflege-Set überhaupt?

Auf dem Markt tummeln sich zwei Philosophien. Die erste sagt: Ein Stiel, viele Köpfe. Das ist die Stecksystem-Linie, wie sie Gardena mit dem combisystem vertritt. Aluminium- oder Eschenholzstiel rein, Aufsatz drauf, fertig. Die zweite Philosophie sagt: Ein Antrieb, viele Anbaugeräte. Das ist die Akku-Multitool-Linie, wie sie Stihl mit der KMA-Reihe oder Makita mit dem DUX60Z verfolgt.

Beide funktionieren. Aber sie funktionieren für unterschiedliche Einsätze.

Wer einmal einen modularen Ansatz verstanden hat, schaut nicht mehr zurück. Ich erkläre meinen Kunden das seit Jahren so: Ein Gartenpflege-Set im eigentlichen Sinne ist kein Bündel aus Einzelgeräten, sondern ein Baukasten. Einmal Stiel gekauft, wechselt man Aufsatz für Aufsatz — Rechen, Harke, Schneidrechen, kleine Astschere. Das schont den Geldbeutel und vor allem den Stauraum. Wer einen 1.200-Quadratmeter-Garten mit Altbaumbestand pflegt, weiß: Geräteschuppen sind endlich. Wer jeden Aufsatz einzeln kauft, hat nach drei Jahren mehr Geld ausgegeben als für ein ordentliches Akku-Multitool — und trotzdem fehlt am Ende irgendwas.

Stihl KMA 80 R und Makita DUX60Z im Härtetest

Stihl KMA 80 R ist so ein Kandidat, bei dem die Verkaufsargumente stimmen. Ohne Akku wiegt das Gerät 3,4 kg, die Schaftlänge beträgt 92 cm bis zur Kupplungsmuffe, und die mechanische Leistung liegt bei 0,8 kW. Diese 0,8 kW entsprechen laut Stihl exakt dem Benzin-KombiMotor KM 56 RC-E. Wer also vom Benziner auf Akku umsteigt, bekommt nominell die gleiche Power.

Was die Werbung verschweigt: Den bürstenlosen EC-Motor gibt es in zwei Geschwindigkeitsstufen. Stufe 1 — der ECO-Modus — verlängert die Akkulaufzeit, geht aber mit weniger Drehmoment einher. Stufe 2 bringt die volle Drehzahl, kostet aber Akkukapazität. Wer auf Stufe 2 durchgehend eine dichte Ligusterhecke schneidet, wird die Grenzen der Akku-Architektur kennenlernen — nicht in der Spitzenleistung, sondern in der Ausdauer. Deshalb ist die stufenlose Drehzahlregulierung am Handgriff in der Praxis wichtiger als jede Werbezahl.

Dann der Makita DUX60Z. Das Gerät läuft mit zwei 18-Volt-Akkus, kommt also auf 36 Volt, schafft bis zu 9.700 U/min und liefert rund 600 Watt Motorleistung. Drei Geschwindigkeitsstufen plus elektronische Drehrichtungsumkehr — die Reverse-Funktion ist im Profi-Alltag Gold wert, etwa wenn sich ein Fadenkopf verklemmt hat. Makita adressiert mit dem DUX60Z klar den Semiprofi- und Profigedanken.

Aber das ist genau der Punkt, an dem die Versprechen aufhören und die Physik anfängt.

Die Wahrheit über Akku-Laufzeiten

Fragen Sie zehn Werkzeughersteller nach Akku-Laufzeiten, und Sie bekommen zehn Marketingaussagen. Die Wahrheit liegt in den Wattstunden.

Ein 5,0-Ah-Akku bei 18 Volt liefert rund 90 Wh. Zwei davon ergeben 180 Wh. Hört sich viel an, ist aber bei einer Heckenschere mit kontinuierlichem Schnittgutdurchsatz deutlich schneller aufgebraucht, als die Werbung suggeriert. Wer einen Akku-KombiMotor als alleiniges Werkzeug für einen ganzen Pflegetag nutzen will, braucht entweder einen dritten oder vierten Akku oder eben doch einen Benziner. Hier hilft kein Marketingversprechen, sondern nur Mitrechnen.

Ich sage meinen Kunden immer: Akku ist leise, wartungsfrei und sofort startklar. Wer das ignoriert, steht mittags auf dem Rasen und wartet auf den nächsten Ladezyklus.

Gardena combisystem: Die stille Logik hinter 25 Jahren Garantie

Wenn Hersteller Garantien geben, dann in der Regel zwei Jahre. Gardena geht einen anderen Weg. Seit dem 01.06.2005 gewährt Gardena auf alle combisystem-Gartengeräte, Kleingeräte und manuellen Scheren eine Herstellergarantie von 25 Jahren — bei privater Nutzung. Ausgenommen sind Verschleißteile, was jeder nachvollziehen kann, der schon einmal eine stumpfe Klinge reklamieren wollte.

25 Jahre. Das ist kein Werbegag, das ist ein Bekenntnis zum eigenen Produkt. Wer sich die Mühe macht, die Garantiebedingungen zu lesen, merkt: Gardena garantiert die Haltbarkeit der Aufsätze und Stiele, nicht aber logischerweise Verschleiß. Das ist ehrlich.

Der Gardena combisystem-Schneidrechen (03392-20) ist ein typisches Beispiel für diese Sortiments-Logik. Er hat 35 cm Arbeitsbreite, verzinkte Schneid- und Rechenzinken und ist auf eine empfohlene Stiellänge von 180 cm ausgelegt. Wer ihn richtig pflegt — also trocken lagert und nach dem Einsatz die Zinken reinigt — wird ihn zwei Jahrzehnte nutzen können. Wer das nicht tut, eher fünf.

Wichtig ist die Systemlogik: Aluminiumstiele gibt es in den Längen 130 cm und 150 cm. Eschenholzstiele in 130, 150 und 180 cm. Holz dämpft Vibrationen — ein Punkt, den viele unterschätzen, bis sie nach zwei Stunden Harke Rückenschmerzen haben. Aluminium ist leichter und unempfindlicher gegen Feuchte. Beides hat seine Berechtigung, je nach Einsatzort und -dauer.

Wer ein Gartenpflege-Set als Einmalkauf begreift, hat das Prinzip nicht verstanden. Wer es als System begreift, spart langfristig Geld, Platz und Nerven.

Ergonomie und Gewicht: Das Akku-Versprechen und die Realität

Der Satz „Akku ist leichter als Benzin" gehört zu den hartnäckigsten Mythen der Gartenpflege. Marketingabteilungen lieben ihn. Wer ein paar Kilo Akku zusätzlich schleppt, sieht das anders.

Rechnen wir nach. Ein Makita DUX60Z wiegt mit zwei 5,0-Ah-Akkus rund 6,15 kg. Ein vergleichbarer Benzin-Trimmer mit vollem Tank liegt bei etwa 5,25 kg. Der Akku-Multitool ist also rund 0,9 kg schwerer. Das klingt marginal, ist aber über eine ganze Arbeitsschicht genau die Differenz zwischen „geht noch" und „Schulter brennt". Auf der anderen Seite bringt der Stihl KMA 80 R ohne Akku 3,4 kg auf die Waage. Mit kompaktem Akku bleibt er deutlich unter fünf Kilo — tatsächlich leichter als ein vollgetankter Benziner. Aber nur, solange man keinen Hochleistungsakku für längere Einsätze einhängt. Dann kippt das Verhältnis.

Meine Faustregel: Einsätze unter 30 Minuten — Akku. Längere Einsätze, schwere Aufsätze, dauerhaft volle Last — Benziner oder ein zweiter Akkusatz im Wechsel mit Schnellladegerät. Wer so entscheidet, erspart sich die Frage „warum schon wieder leer?" mitten im Schnitt.

Direkter Vergleich auf einen Blick

KriteriumGardena combisystemStihl KMA 80 RMakita DUX60Z
AntriebManuellAkku (36V AK-Akkusystem)Akku (2x 18V = 36V)
Gewicht ohne AufsatzNur Stiel3,4 kg (ohne Akku)ca. 6,15 kg (mit 2x 5,0 Ah)
LeistungBegrenzt durch Muskelkraft0,8 kW mechanischca. 600 W Motorleistung
Max. Drehzahln/a2 Stufen + stufenlos am Griffbis 9.700 U/min, 3 Stufen
LautstärkePraktisch nullSehr leiseSehr leise
WartungSehr geringGering (Akku)Gering (Akku)
Garantie (privat)25 Jahre2 Jahre2 Jahre
EignungGanzjährig, leichte bis mittlere ArbeitenHeckenschnitt, leichter BaumschnittHeckenschnitt, Trimmer, schwerere Aufsätze

Einsatzszenarien: Welches System passt zu welchem Garten?

Die ehrliche Antwort auf die Frage „Welches Gartenpflege-Set kaufen?" hängt vom Grundstück ab, nicht vom Werbeversprechen.

1. Reihenhausgarten bis 400 Quadratmeter. Hier genügt ein Gardena combisystem. Stiel aus Eschenholz, dazu Harke, Schneidrechen, kleiner Fugenkratzer und eine manuelle Heckenschere. Wer alle zwei Wochen pflegt, kommt mit 200 bis 300 Euro hin und hat Material für Jahrzehnte. Akku-Technik ist hier oft überdimensioniert — die Muskelkraft reicht, der Stauraum bleibt klein, und die Nachbarn beschweren sich nicht über Benzingeruch am Sonntagmorgen.

2. Einfamilienhaus mit 600 bis 1.200 Quadratmetern. Hier beginnt die Hybridlösung. Gardena für Rasenpflege, Laub und Beetarbeit. Ein Stihl KMA 80 R oder vergleichbarer Akku-Multitool für Heckenschnitt und leichte Astarbeiten. Budget realistisch: 600 bis 900 Euro, dafür Ergebnisse auf Profi-Niveau. In dieser Größenordnung lohnt sich auch ein zweiter Akku, weil ein einzelner bei durchgehender Heckenpflege am Vormittag nicht durchhält.

3. Großgrundstücke, Mietobjekte, gewerbliche Pflege. Hier ist die Akku-Ideologie an ihrer wirtschaftlichen Grenze. Wer täglich mehrere Stunden Hecken und Rasen pflegt, kommt mit Akku-Lösungen alleine nicht durch. Entweder klassisch Benzin oder aber ein zweiter Akkusatz im Wechsel mit Schnellladegerät. Prüfen Sie zuerst Ihren tatsächlichen Jahresbedarf an Schnittstunden, bevor Sie sich vom Prospekt blenden lassen. Sonst wird das vermeintliche Akku-Sparen schnell zum Kostengrab.

Was ich auf keinen Fall empfehle: drei kleine Einzelsets mit verschiedenen Marken im Schuppen. Das ist weder wirtschaftlich noch ergonomisch sinnvoll. Wer heute mit einem Aufsatz anfängt, sollte morgen alle Aufsätze aus derselben Linie nehmen. Das schafft Kompatibilität, reduziert die Lernkurve und vermeidet den klassischen Werkzeugmix, mit dem am Ende niemand mehr arbeiten will.

Mein Fazit nach fünfzehn Jahren Objektbegehung

Wenn ich Kunden heute eine einzige Empfehlung mit auf den Weg geben darf, dann diese: Hören Sie auf, Gartenpflege-Geräte einzeln zu kaufen. Entscheiden Sie sich für eine Linie — sei es Gardena combisystem für den manuellen Bereich, sei es ein Akku-Multitool wie der Stihl KMA 80 R oder der Makita DUX60Z für die motorisierte Seite.

Wer einmal verstanden hat, dass ein Stiel mit verschiedenen Aufsätzen günstiger, platzsparender und langfristiger ist als drei einzelne Geräte, gibt das System nicht mehr her. Wer einmal gesehen hat, dass der Makita DUX60Z mit zwei 5,0-Ah-Akkus schwerer sein kann als ein vergleichbarer Benziner, hört auf, jedem Werbeversprechen zu glauben.

25 Jahre Garantie auf das Gardena combisystem, 0,8 kW beim Stihl KMA 80 R und bis zu 9.700 U/min beim Makita DUX60Z — das sind alles solide Werte, die in der Praxis funktionieren, sofern man sie zum passenden Grundstück einsortiert. Mein Antrieb beim Schreiben dieses Textes war nicht, einen Hersteller zu siegen oder zu schlagen. Es war, die Werbelogik von der Anwendung zu trennen. Wer beides zusammendenkt — Werbeversprechen und tatsächliche Belastung im eigenen Garten —, kommt mit jedem der drei Systeme zu einem Werkzeugkasten, der länger hält als die nächste Heckenmode.

Häufige Fragen

Ist ein Akku-Multitool immer leichter als ein Benzingerät?
Nein, das ist ein Mythos. Ein Akku-Multitool wie der Makita DUX60Z kann inklusive Akkus schwerer sein als ein vergleichbarer Benziner.
Wie viele Akkus benötige ich für einen ganzen Tag Gartenarbeit?
Ein einzelner Akku reicht für einen ganzen Pflegetag meist nicht aus. Je nach Intensität sind zwei bis vier Akkus oder ein Schnellladegerät für den Wechselbetrieb notwendig.
Welches System eignet sich für einen kleinen Reihenhausgarten?
Für Gärten bis 400 Quadratmeter ist das manuelle Gardena combisystem ideal, da es platzsparend, kostengünstig und für regelmäßige, leichtere Arbeiten völlig ausreichend ist.
Was bedeutet die 25-jährige Garantie bei Gardena genau?
Die Garantie gilt für alle combisystem-Gartengeräte, Kleingeräte und manuellen Scheren bei privater Nutzung. Sie deckt die Haltbarkeit der Aufsätze und Stiele ab, jedoch keine Verschleißteile.
Warum ist die stufenlose Drehzahlregulierung bei Akku-Geräten wichtig?
Sie ermöglicht eine Anpassung an die jeweilige Arbeit, da die volle Drehzahl zwar Leistung bringt, aber die Akkukapazität deutlich schneller erschöpft.

Gereon Thielen