Facility-Management im Wandel: Wie neue Regulierungen und Digitalisierung den Markt prägen
68,7 Milliarden Euro – so groß war der deutsche Facility-Service-Markt 2025. Das sind 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die gerade veröffentlichte Lünendonk-Studie 2026 zeigt.
Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 24. Juli 2026

Klingt nach einer Zahl, über die man als Eigentümer oder Verwalter kurz die Schultern zuckt. Fakt ist aber: Hinter diesem Wachstum steckt eine regulatorische Drehung, die jeden trifft, der ein Dach über dem Kopf – oder über seinen Mietern – verantwortet.
Wer wächst und warum das für Sie relevant ist
Die 76 analysierten Unternehmen legten im Schnitt 6,2 Prozent Umsatzwachstum hin. Besonders stark waren die Technischen Service Provider mit 9,6 Prozent Zuwachs. Die zehn umsatzstärksten Anbieter kamen auf moderatere 4,7 Prozent. Bis 2030 rechnet die Branche mit jährlichen Zuwächsen zwischen 6,1 und 6,4 Prozent.
Prüfen Sie zuerst, was das für Ihre Objekte bedeutet. Angetrieben wird das Wachstum nicht primär durch Konjunktur, sondern durch Regulierung – allen voran das KRITIS-Dachgesetz. Das Gesetz verschärft die Anforderungen an Reporting, Transparenz und nachvollziehbare Prozesse im Gebäudebetrieb. Wer kritische Infrastruktur bewirtschaftet, muss Betriebs- und Zustandsdaten in Echtzeit erfassen können. Das ist kein Nice-to-have mehr, sondern Pflichtprogramm.
Digitalisierung: Viele reden, wenige handeln
Hier wird’s interessant – und ein Stück weit unbequem. Erst 11 Prozent der Studienteilnehmer nutzen bereits KI-gestützte oder automatisierte Lösungen. 30 Prozent laufen in einer integrierten Systemlandschaft, ein weiteres Drittel arbeitet immerhin mit standardisierten digitalen Prozessketten. Gut die Hälfte also noch im Übergang – oder im Rückstand.
Das größte Hindernis? 64 Prozent nennen fehlende Budgets und geringe Investitionsbereitschaft. Übersetzt aus der Bauleitersprache: Man weiß, was kommen muss, schiebt es aber vor sich her. Ein Kostengrab, das sich mit jedem Jahr vertieft, in dem nichts passiert. Wer jetzt nicht in standardisierte Datenströme investiert, zahlt später doppelt – durch Nachrüstung und durch den regulatorischen Druck.
Neue Märkte, neue Rolle
Die Studie zeigt noch eine Entwicklung, die Eigentümer kennen sollten: Ein Viertel der befragten Unternehmen beobachtet, dass Auftraggeber Facility-Service-Anbieter bereits in der Planungsphase von Gebäuden einbinden. Das ist ein fundamentaler Shift. Der Dienstleister rückt vom nachträglichen Flickschuster zum Partner im Lebenszyklus der Immobilie auf.
Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk & Hossenfelder, bringt es auf den Punkt: Neue Servicemodelle entwickeln das bisherige Konzept des integrierten Facility Managements weiter – das eröffnet große Chancen, verlange aber Anbietern und Auftraggebern viel ab.
Gleichzeitig erschließen die großen Anbieter produktionsnahe Sekundärprozesse in Industrieunternehmen. Der Markt wird breiter, die Anforderungen komplexer.
Was Sie jetzt prüfen sollten
Zurück auf den Boden – sprich: auf Ihre Immobilie. Drei Punkte, die aus diesen Zahlen direkt folgen:
Erstens: Prüfen Sie, ob Ihre Hausmeister- oder Reinigungsfirma überhaupt KRITIS-konforme Daten liefern kann. Wenn nicht, haben Sie ein Defizit, das sich nicht von selbst löst.
Zweitens: Fragen Sie nach, welche digitalen Werkzeuge Ihr Dienstleister einsetzt. Standardisierte Prozessketten sind kein Luxus, sondern das Minimum, um Transparenz und Nachvollziehbarkeit sicherzustellen.
Drittens: Denken Sie bei Neubau oder größerer Sanierung darüber nach, Facility-Services frühzeitig einzubeziehen. Die Planungsphase ist der günstigste Zeitpunkt, um Betriebskosten langfristig zu drücken.
Die Studie kostet übrigens 2.500 Euro netto – für alle, die tiefer einsteigen wollen. Für die meisten Eigentümer reicht es aber, die Grundrichtung zu verstehen: Der Markt wächst, die Regulierung verschärft sich, und wer seinen Gebäudebetrieb nicht professionalisiert, zahlt drauf. Fakt ist.