Haus- und Gebäudetechnik: Warum das Umsatzplus 2026 täuscht
Nach den neuen Branchenzahlen der B+L Marktdaten GmbH erwartet die Haus- und Gebäudetechnik für 2026 ein nominales Umsatzplus von 2,5 Prozent auf 77,39 Milliarden Euro.
Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 08. August 2026

Klingt erst mal nach Aufschwung — ist aber, wie so oft in unserer Branche, nur die halbe Wahrheit. Fakt ist: Reales Wachstum sieht anders aus.
Was die Zahlen verschweigen
Steigende Energie-, Material- und Rohstoffkosten fressen das nominale Plus auf. Die Inlandsumsätze sollen laut Prognose um 2,1 Prozent auf 63,9 Milliarden Euro steigen, im Klartext heißt das: Die Branche arbeitet mehr und verdient nicht mehr. Bei 565.700 Beschäftigten im Jahr 2026 verteilt sich das Umsatzplus auf mehr Schultern als noch vor zwei Jahren. Und die prognostizierten 48.600 Unternehmen bedeuten einen Rückgang um 0,2 Prozent gegenüber 2025. Der Markt konsolidiert sich weiter, auch wenn die Statistik das nicht so direkt ausspricht.
Für Sie als Eigentümer heißt das: Rechnen Sie weiterhin mit steigenden Preisen für Sanitär-, Heizungs- und Elektroarbeiten, und zwar über die offizielle Teuerung hinaus. Prüfen Sie Angebote genauer als früher — nicht nur die Endsumme, sondern auch Materialangaben und vereinbarte Wartungsintervalle. Genau dort verstecken sich später die Kostengräber.
Wo der Markt wirklich zieht
Im Bereich Heizung, Lüftung, Klima und Gebäudeautomation rechnen die Branchenzahlen 2026 mit einer Belebung. Wärmepumpen und Biomasse-Heizungen liefen bereits 2025 überdurchschnittlich. Parallel tritt am 29. Juli 2026 das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) in Kraft und löst das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ab. Die 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien beim Heizungstausch entfällt, dafür kommt die Bio-Treppe: Neue Gas- und Ölheizungen müssen ab 2029 schrittweise klimafreundlichere Energieträger nutzen.
Der Sanitärbereich legte 2025 überdurchschnittlich zu, zeigt zu Beginn 2026 aber wieder Zurückhaltung bei privaten Badsanierungen. Die steigenden Baugenehmigungen im Wohnbau schlagen sich laut Prognose erst Ende 2026 oder Anfang 2027 in der Nachfrage nieder. Was das praktisch heißt: Wer jetzt ein Projekt plant, kommt aktuell meist zügiger an den Handwerker. Wer aufschiebt, läuft Gefahr, in die Welle zu geraten, sobald die Genehmigungen wirksam werden.
Worauf Sie jetzt achten sollten
Maßgeblich für die Wahl des Heizsystems bleiben nach Einschätzung der Branchenverbände der energetische Zustand des Gebäudes, der Wärmebedarf und die vorhandene Infrastruktur. Genau das ist auch meine Empfehlung aus der Praxis: Lassen Sie sich bei Heizungsthemen nicht von der größeren Technologieoffenheit blenden. Eine fundierte Bestandsaufnahme kommt vor dem Angebot — nicht danach. Und wer heute eine Sanierung oder einen Heizungstausch plant, sollte die Förderbedingungen im Auge behalten: Sie sind gerade im Fluss und entscheiden am Ende über die Wirtschaftlichkeit der Investition.
Wie Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der VdZ und der VDS, es zusammenfasst: „Steigende Energie- und Rohstoffpreise, die schwache Neubaukonjunktur und die Zurückhaltung vieler Eigentümer belasten die Entwicklung. Gleichzeitig sehen wir deutliche Marktchancen im Gebäudebestand, bei der Heizungssanierung und in der Modernisierung der technischen Gebäudeinfrastruktur."
Die Branche wächst nominal. Für Ihr Gebäude zählt, was real an Wert und Funktion übrig bleibt.