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Eine Kolumne von Gereon Thielen

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Energieeffizienz beim Immobilienkauf: Warum der Sanierungszustand den Preis bestimmt

Nach Angaben von Haufe steht im aktuellen „Postbank Wohnatlas“ die Energieeffizienz beim Wohnungskauf im Mittelpunkt.

Gereon Thielen, Experte für ganzheitlichen Gebäudeunterhalt und Handwerksmeister·aktualisiert 23. August 2026

Energieeffizienz beim Immobilienkauf: Warum der Sanierungszustand den Preis bestimmt

RP Online fasst den dazugehörigen Befund zugespitzt zusammen: Sanierte Häuser kosten deutlich mehr. Für Käufer ist das kein Grund zur Schnappatmung, aber ein klarer Hinweis, den Zustand einer Immobilie nicht nur nach Wohnfläche, Lage und frisch gestrichener Fassade zu beurteilen.

Der Kaufpreis ist nur die erste Rechnung

Bei einer Wohnung oder einem Haus zählt nicht allein, was im Exposé steht. Entscheidend ist, welchen technischen Zustand das Gebäude tatsächlich hat und welche Arbeiten nach dem Kauf anstehen. Genau hier liegt die praktische Bedeutung des Themas Energieeffizienz: Eine sanierte Immobilie kann teurer sein, bringt dafür aber möglicherweise weniger unmittelbaren Instandhaltungsbedarf mit. Ob dieser Mehrpreis im Einzelfall angemessen ist, lässt sich aus den vorliegenden Angaben zum Wohnatlas allerdings nicht ableiten.

Ich würde deshalb zwei Dinge strikt trennen: den höheren Kaufpreis und die Qualität der Sanierung. „Saniert“ ist zunächst nur eine Zustandsbeschreibung. Sie sagt noch nichts darüber aus, welche Bauteile erneuert wurden, wie fachgerecht die Arbeiten ausgeführt sind oder ob lediglich einzelne sichtbare Bereiche modernisiert wurden. Ein neuer Bodenbelag ist keine energetische Sanierung. Eine frisch gestrichene Fassade schon gar nicht. Das Gebäude merkt sich solche Etiketten nicht – es reagiert auf Wärmebrücken, Feuchtigkeit und schlecht gewartete Technik.

Prüfen Sie zuerst die Substanz

Wer eine Wohnung kauft, sollte sich die energetisch relevanten Unterlagen zeigen lassen und nicht bei schönen Oberflächen stehen bleiben. Dazu gehören insbesondere Angaben zur Heizungsanlage, zum Gebäudezustand und zu bereits ausgeführten Sanierungsarbeiten. Bei einer Eigentumswohnung kommt außerdem der Zustand des Gemeinschaftseigentums hinzu. Dach, Fassade, Fenster, Leitungen und die zentrale Haustechnik liegen nicht allein in der Hand des einzelnen Käufers.

Wichtig ist auch die Frage, ob Arbeiten tatsächlich abgeschlossen sind oder nur angekündigt wurden. Ein Gebäude im Zustand „wird demnächst gemacht“ kann schnell zum Kostengrab werden. Das gilt besonders dann, wenn Rücklagen, Beschlüsse oder die genaue Planung nicht nachvollziehbar sind. Ohne belastbare Unterlagen bleibt die angebliche Energieeffizienz eine Behauptung mit hübscher Verpackung.

Aus der Praxis gilt: Prüfen Sie zuerst die Bauteile, die später teuer und schwer zugänglich werden. Die Heizung kann funktionieren und trotzdem technisch überholt sein. Fenster können neu aussehen und dennoch an Anschlüssen Probleme machen. Feuchte Stellen, auffällige Gerüche oder kalte Innenflächen sind keine Nebensachen. Hier spielen Taupunkt und Wärmebrücken eine größere Rolle als die Farbe im Treppenhaus.

Was Käufer aus dem Wohnatlas ableiten können

Die beiden vorliegenden Meldungen liefern vor allem ein Signal: Energieeffizienz und Sanierungszustand beeinflussen die Preisbildung beim Immobilienkauf. Sie liefern aber keine belastbaren Details dazu, wie groß der Preisunterschied in einzelnen Regionen, Baualtersklassen oder Gebäudetypen ausfällt. Solche Zahlen wären für eine konkrete Kaufentscheidung nötig – sie liegen hier nicht vor und sollten nicht aus einem Überschriftenschnipsel herausgelesen werden.

Für Eigentümer und Käufer bleibt damit eine nüchterne Konsequenz. Ein höherer Preis für ein saniertes Haus kann nachvollziehbar sein, muss aber am tatsächlichen Umfang der Arbeiten gemessen werden. Entscheidend sind nicht die Begriffe im Exposé, sondern nachvollziehbare Unterlagen, erkennbare Ausführungsqualität und ein realistischer Blick auf den Wartungs- und Instandhaltungsbedarf.

Fakt ist: Energieeffizienz beginnt nicht beim Werbesatz, sondern beim Bauteil. Wer vor dem Kauf sauber prüft, spart sich später nicht jede Rechnung – aber manche unangenehme Überraschung. Und die kommt bei Immobilien bekanntlich selten mit Terminankündigung.